Wa(h)re Bildung - Berufliche Bildung / Bildungsreformen in Deutschland zwischen Kompetenz und Kommerz

Wa(h)re Bildung – unter dieser anspielungsreichen Überschrift stand die diesjährige Jahrestagung des Verbandes Evangelischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer an Berufskollegs in Westfalen (VRB) in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Institut der EKvW, die am 26. Februar 2014 in Villigst stattgefunden hat. Als Hauptreferent konnte Dr. Matthias Burchardt vom Institut für Bildungsphilosophie der Universität Köln und zugleich Geschäftsführer der Gesellschaft für Bildung und Wissen gewonnen werden, der der Frage nachging, wie das Verhältnis von Ökonomie und Bildung sich seit der ersten PISA-Untersuchung in Deutschland entwickelt hat.

An zahlreichen Beispielen zeigte Burchardt eindrücklich auf, wie die Ökonomisierung der Bildung unter dem täuschenden Titel der Bildungs- bzw. Unterrichtsreform zunehmend um sich greift. Ausgehend von angeblich ‚alternativlosen‘ Prozessen (G8, Bologna-Reform, Qualitätsanalysen und dem Nachhilfe-Markt), wenn ‚man‘ international konkurrenzfähig bleiben will, belegte Burchardt mit sorgfältig aufbereiteten Dokumenten, wie unter dem scheinbaren Druck notwendigen Wandels, vorbei an allen demokratischen Entscheidungsgremien, bestimmte weltweit und national agierende Akteure, z. B. die OECD und die Bertelsmann- Stiftung, massiv ihren Einfluss auf politische Entscheidungsträger geltend machen, um bestimmte Prozesse zu forcieren. So setzt z. B. die PISA- Studie einen unreflektierten, oberflächlichen und auf ökonomische Verwertbarkeit zurechtgestutzten Bildungsbegriff voraus. Durch den sog. PISA-Schock gelang es den o. g. Akteuren den politischen Entscheidungsträgern die Notwendigkeit von Reformen zu suggerieren (Eigenverantwortliches Lernen, G8, Kompetenzorientierung u. a.), die primär darauf zielen, den Bildungsbedürfnissen bestimmter wirtschaftlicher Gruppierungen Rechnung zu tragen. Auch die neuen sogenannten kompetenzorientierten Bildungspläne sind vor diesem Hintergrund zu verstehen.

Die sehr lebendigen, oft provozierenden, aber stets hervorragend dokumentierten Analysen des Referenten führten dann schließlich zu einer lebhaften Diskussion über die Frage des Umgangs mit diesen Prozessen insbesondere auch im Schulalltag des BRU.
So verließ wohl kaum einer diese Tagung ohne wichtige Impulse, aber auch Anfragen an die gegenwärtige recht einseitig geführte Bildungsdiskussion in Deutschland.
Matthias Grevel

Berufskolleg

„Die Schule der vergessenen Majorität.“ (Thomas Klie)

„Die Berufsbildenden Schulen (BBSn) sind das komplexeste, das nach Schülerzahlen knapp hinter der Grundschule größte, zugleich aber auch das am wenigsten bekannte schulische Bildungssystem in der Bundesrepublik.“ (Thomas Klie)

Es gibt in NRW etwa 400 Berufsbildende Schulen, seit 1998 offiziell Berufskollegs genannt, davon ca. 200 im Einzugsgebiet der Westfälischen Landeskirche. Manche Berufskollegs bieten nur einige wenige Bildungsgänge und sind von den Schülerzahlen her sehr überschaubar. Große Bündelschulen kommen auf mehrere hundert Bildungsgänge und Schülerzahlen, die die Viertausender Marke sprengen. Berufskollegs in NRW sind inzwischen Bildungskompetenz-zentren, die nicht nur eine große Bandbreite an beruflichen Abschlüssen, sondern vom Hauptschulabschluss bis zur Allgemeinen Hochschulreife eine kaum übersehbare Vielfalt an Bildungsabschlüssen ermöglichen.Im Laufe ihres Lebens besuchen 70 bis 80% aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Berufskolleg. In diese Zeit fallen nachhaltig wirksame, oft existenzielle Fragestellungen und Entscheidungen: Die Ablösung vom Elternhaus, die Berufs- und Partnerwahl, die Entwicklung eigener Lebensperspektiven. Gemeinsam mit den berufsbezogenen und den anderen berufsübergreifenden Fächern sowie dem "Dualen Partner" setzt sich der Religionsunterricht an Berufskollegs mit berufsethischen Fragen auseinander, ohne darin aufzugehen. Als das "kleine Fach der großen Fragen" (AEED) eröffnet er den Schüler/innen (Frei-)Räume, die eigenen Lebenswelten kritisch-konstruktiv mit dem christlichen Glauben in Beziehung zu setzen. Ausführliche Informationen zum Berufsschulreligionsunterricht (BRU) in Westfalen finden Sie auf der Homepage http://www.ein-fach-leben.de/

Die Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO-BK) formuliert als Bildungsziel des Berufskollegs (§1): „Das Berufskolleg vermittelt den Schüler/innen eine umfassende berufliche, gesellschaftliche und personale Handlungskompetenz und bereitet sie auf ein lebens-begleitendes Lernen vor.“ „Die Fächer des berufsübergreifenden Lernbereichs tragen … zur allgemeinen Kompetenzentwicklung bei, indem sie zentrale gesellschaftliche, kulturelle, ethische und religiöse Fragen in die Ausbildung einbeziehen.“ (§6)

Von den ca. 600.000 Schülerinnen und Schülern, die pro Jahr in NRW das Berufskolleg besuchen, sind 172.000 evangelisch. Die Abmeldequote vom Religionsunterricht liegt bei knapp über 2%. Fast zwei Drittel des Evangelischen Religionsunterrichts wird in Westfalen von kirchlichen Lehrkräften erteilt. Zentrale Anliegen der vom Fachbereich Berufskolleg angebotenen Fortbildungsangebote sind:
Förderung der religionspädagogischen Kompetenz, pädagogische Qualifizierung kirchlicher Lehrkräfte, Reflexion der Interessenkollision zwischen Berufsbezug und Schüler/innenorientierung und kollegiale Beratung, Unterstützung von Unterrichts- und Schulentwicklungsprozessen.

Verteiler für ausgewählte Bildungsgänge

Die Kollegen/innen, die in den Bildungsgängen der Fachschule für Sozialpädagogik und Heilerziehungspflege / Berufsfachschule für Kinderpflege / SozialhelferInnen / FOS Sozialpädagogik unterrichten, werden über aktuelle Informations- und Fortbildungsveranstaltungen direkt informiert. Lassen Sie sich in unseren Verteiler aufnehmen!

Kontakt: 02304 / 755 - 268

Darüber hinaus führen wir einen gesonderten Verteiler für die Kolleginnen und Kollegen, die in Bildungsgängen unterrichten, die zur Allgemeinen Hochschulreife führen. Weiter bieten wir alljährlich eine Veranstaltung zum Zentralabitur im Berufskolleg an. Lassen Sie sich in die entsprechenden Verteiler aufnehmen!

 Kontakt: 02304 / 755 - 268

Dr. Meinfried Jetzschke

Dozent, Pfarrer, Supervisor (DGSv), systemischer Körperpsychotherapeut (GST)

• Berufskolleg
• Supervision, Beratung, Lehrer*innengesundheit

Tel.: 02304 / 755 - 272
Email: meinfried.jetzschke@pi-villigst.de

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Verwaltung

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Sekretärin

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