Religiöse Schulwochen

Was hoffst Du? Was liebst Du? Was glaubst Du?

Die Religiöse Schulwochenarbeit versteht sich als Partner von Schulen und leistet einen Beitrag aus christlicher Perspektive zum ganzheitlichen Bildungsauftrag der Schule.

Eines der Ziele der Religiösen Schulwochen ist, Leben und Glauben in Beziehung zu setzen und den Glauben als hilfreiche Orientierungsmöglichkeit zu entdecken. Die Religiösen Schulwochen sind eine Form der lebensbegleitenden Schulseelsorge, durch die wir die Jugendlichen im Nachdenken über ihre Identität unterstützen. Die Jugendlichen werden von uns dabei begleitet, ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Pläne miteinander zu reflektieren und ermutigt, Perspektiven für ihr Leben weiter zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen - für sich und andere, für Umwelt und Gesellschaft.

Einige Antworten von Schülerinnen und Schülern auf die drei Leitfragen, unter denen die Religiösen Schulwochen stehen.

Ich hoffe ...
- etwas in meinem Leben zu erreichen.
- dass es Menschen in meinem Leben geben wird, die mich lieben und die ich liebe.
- dass es doch etwas gibt nach dem Tod.

Ich liebe ...
- meine Familie und meine Freunde und Fußball.
- Gott und danke ihm dafür, dass er mich hat erkennen lassen, wie viel Wert ein
   Leben haben kann.
- Menschen, die mich so nehmen wie ich bin.

Ich glaube ...
... an die Liebe
... an Gott, weil er an mich glaubt, wenn ich es nicht mehr kann.
... an das Gute im Menschen
... dass Christen nach ihrem Tod bei Gott weiterleben
... an das Schicksal, jeder Mensch bekommt das, was er verdient

Die Antworten spiegeln die Bandbreite der Themen wieder, über die Schüler und Schülerinnen während der Religiösen Schulwochen sprechen möchten.

Religiöse Schulwochen gibt es seit 1949 in ökumenischer Zusammenarbeit des Dienstes an den Schulen im Pädagogischen Institut der EKvW und den Schulpastoralabteilungen des Bistums Münster und des Erzbistums Paderborn.
Pro Jahr finden etwa 25 Religiöse Schulwochen statt mit ca. 5500 Schülerinnen und Schüler. Die Nachfrage der Schulen übersteigt deutlich unsere personellen und finanziellen Möglichkeiten, so dass es Wartezeiten von ca. 2 – 3 Jahren gibt.

Religiöse Schulwoche am Berufskolleg

Schulwoche konkret: Ein praktisches Beispiel aus dem Berufskolleg
Von Britta Möhring

Die Schüler/innen dürfen und sollen ihre Themen während der Religiösen Schulwochen selbst wählen: Fragen, die sie in ihrem Alltag beschäftigen. Oft geht es deshalb um Zukunftsfragen und um Freundschaft und Liebe. In diese Lebensfragen auch eine transzendente Dimension einzubringen, eine Glaubensfrage oder –erfahrung, das ist oft eine Aufgabe der Mitarbeiter/innen. Wenn uns das gelingt, dann kommen auch Erfahrungen und Fragen der Schüler/innen zu Wort.

Manchmal geht es aber auch ganz ausdrücklich um Glaubensfragen, interessanterweise oft von muslimischen Schüler/innen eingebracht, die ihre christlichen und atheistischen Mitschüler/innen herausfordern. So auch in einer Gruppe in einem Berufskolleg. Von den 13 Schüler/innen sind 3 überzeugte Muslima. Eine trägt ein Kopftuch und ein langes Gewand, eine ein Kopftuch und enge Jeans, die dritte hat offene Haare und ist etwas geschminkt. Alle drei sind lebhaft, lachen viel und haben guten Kontakt zu ihren Mitschüler/innen – allerdings nur während der Schulzeit. Nachmittags bleibt man „unter sich“.
Die meisten anderen Schüler/innen sind konfirmiert oder zur Kommunion gegangen und fühlen sich dem christlichen Glauben meist „lose“ verbunden.

Im Gespräch geht es auch darum, was einem am Glauben schwer fällt. Einige Antworten der Schüler/innen – bunt gemischt.

Mir fällt es schwer,
- auch in schweren Situationen am Glauben festzuhalten.
- manchmal ausgelacht zu werden.
- „extreme Christen“
- zu verstehen, warum Gott Armut und Not zulässt.
- manchmal: zu meinem Glauben zu stehen.
- darüber nachzudenken, was mit den Menschen geschieht, die nicht glauben.

 Besonders bei Gedanken an Nahestehende.
- dass es aufgrund des Glaubens so viele Kriege gibt.
- in die Kirche zu gehen.
- bei der Predigt nicht mit den Gedanken abzuschweifen.
- dass die Wissenschaft viele Glaubensdinge widerlegt.
- wenn andere Menschen meinen Glauben nicht respektieren.
- zu glauben, dass alles was in der Bibel steht wirklich passiert ist.
- nicht alles wissen zu können.
- zu verstehen, warum Gott uns nicht mehr hilft.

Eine lebhaftes Gespräch – auch darüber, ob es gut und schlecht ist, Zweifel und Anfragen an seinen Glauben zu haben. Hier zeigen sich deutlich Unterschiede zwischen den Christen und den Muslimen.

Wir beschließen das „Glaubensgespräch“, das zwei Doppelstunden dauerte, damit, dass jede/r Schüler/in „auf den Punkt gebracht“ versucht auszudrücken, was ihm/ihr der Glaube bedeutet. 11 Worte hat jeder zur Verfügung. Es wird geschrieben, durchgestrichen, neu formuliert. Und dann eine „Lesung“ – ohne weitere Diskussion. Es ist mucksmäuschenstill.

Lieben,
Gemeinschaft, Frieden,
Gesellschaft, Brüder, Schwestern,
Glauben an den Herrn,
Zusammenhalt

Liebe,
alle akzeptieren,
Respekt gegenüber allen,
das Gute nie vergessen,
Liebe

Gemeinschaft
Zusammenhalt, Hilfe!
Nie alleine sein!
Gute und schlechte Zeiten!
Kirche

Beten
Das Paradies
Teilen mit anderen
Verbindung zu Gott herstellen
Auferstehung

Liebe
ist unterschiedlich
Familie, Freunde, Gott
unendlich, ungewiss, plötzlich, leidenschaftlich
Glaube

Gott
fester Boden
unter meinen Füßen
Vertrauen, Zutrauen, Vergebung, Flügel
Gott

Liebe
zu Gott
Respekt zu Menschen
Glauben an das Jenseits
Frieden

Schöpfer,
die Nähe
zu Menschen, Liebe
und Verständnis, Gemeinschaft und
Vertrauen

 Ich
hoffe dass
Gott immer mit
mir meinen Weg  gehen
wird


Gott
Leben, Liebe
Vater, Mutter, Geschwister
Zuflucht, Gemeinschaft, Geborgenheit, Vertrauen
Ich

Respekt
zu Menschen,
Gedenken an Tod,
Liebe und Nähe zu
Gott

Zusammenhalt,
Leben, Zuflucht,
Verbindung zu Gott,
Hilfe in schwierigen Situationen,
Liebe

(Anm. Diese kurzen Texte wurden auch im Abschlussgottesdienst der RSW am Freitag von zwei Gruppenmitgliedern gelesen.)

90 Minuten Religiöse Schulwoche


Die 15 Schülerinnen und Schüler meiner Gruppe aus der Jahrgangsstufe 10 haben sich als ein Thema für die Religiöse Schulwoche das Thema „Todesstrafe“ ausgewählt. Ich bitte sie, für das Gespräch Thesen zum Thema zu formulieren, Thesen, denen sie nicht unbedingt zustimmen müssen.

  •  „Jeder hat das Recht zu leben!“
  • „So schlimm ein Mensch auch ist, niemand hat die Todesstrafe verdient.“
  • „Todesstrafe würde Verbrecher abschrecken.“
  • „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem andern zu!“
  •  „Wer anderen das Leben nimmt, hat sein eigenes nicht verdient.“
  •  „Todesstrafe für Kinderschänder.“
  • „Freie Entscheidung des Täters, ob Tod oder lebenslang Gefängnis.“
  • „Todesstrafe verstößt gegen die Menschenwürde.“
  • „Niemand sollte entscheiden dürfen, wer lebt und wer stirbt. Auch wenn die Person Schlimmes getan hat.“
  •  „Todesstrafen sind unmenschlich.“

Zu jeder These positionieren sich die Schüler/innen zunächst: Stimmen sie 100% zu, oder 80%, oder auch nur 25% oder 0%. Danach geht das Gespräch los. Die Runde wird eingeleitet und geleitet von der Person, die die These formuliert hat.

Ich bin überrascht über den Gesprächsverlauf. Ich hatte eine theoretische und etwas abgehobene Diskussion erwartet, da das Thema die Schüler/innen im Alltag ja nicht direkt betrifft. Aber es geht schnell in die Tiefe. Wir sprechen darüber, ob Menschen sich ändern können, ob alle Menschen sich ändern können und unter welchen Umständen das gelingen kann. Wir sprechen über Vergebung und über Heilung: Wie können Opfer, denen Schlimmes angetan wurde, weiter leben? Können tiefe Wunden wieder heilen?

Wir kommen zu der Frage, wie man mit Schuld leben kann, auch für etwas, wofür man nichts kann – wenn einem zum Beispiel ein Kind vor das Auto gelaufen ist.

Die Schüler/innen diskutieren selbstständig, fast alle beteiligen sich. Nicht alles ist fundiert, manches auch Halbwissen – aber auch nicht mehr als in vielen Medien. Sie haben keine fertigen Antworten, kein fertiges Urteil. Sie hören sich gegenseitig zu und suchen nach Antworten. Ich bin eine der Gesprächsteilnehmerinnen. Manchmal differenziere ich etwas genauer, zum Beispiel zwischen Schuld und Schuldgefühlen. Oder frage nach, wenn mir nicht einleuchtet, dass ein Mädchen einerseits von „zweiter Chance“ spricht, die jeder Mensch verdient habe, andrerseits aber meint, Täter, die Kinder missbraucht hätten, müssten mindestens 25 Jahre im Gefängnis bleiben. Und ich bringe meinen Glauben ein: dass Vergebung aus uns selbst heraus oft schwer möglich ist. Aber weil Gott uns vergibt, können auch wir vergeben.

Schnell ist die Doppelstunde um. Manche Fragen bleiben offen, neue Fragen sind entstanden. In diesen 90 Minuten ist gelungen, worum es uns in den Religiösen Schulwochen geht: zum Nachdenken anregen. Von den anderen hören, wie sie denken und sich dadurch anregen lassen. Lebens- und Glaubensfragen sich gegenseitig durchdringen lassen.

Religiöse Schulwochen

Mehr Informationen zu Religiösen Schulwochen finden Sie hier.

Übersicht Termine 2/2016

05.09.-09.09.2016     
Schiller-Gymnasium, Münster

05.09.-09.09.2016     
Ernst-Barlach-Gymnasium, Castrop-Rauxel

12.09.-16.09.2016     
Realschule Rhede, Rhede

27.09.-29.09.2016     
Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, Bergkamen

24.10.-28.10.2016     
Gymnasium St. Ursula, Dorsten

07.11.-11.11.2016     
Städtisches Gymnasium, Herten

14.11.-18.11.2016     
Pauline-Schule, Paderborn

05.12.-09.12.2016     
Gesamtschule, Kamen

Angelika Ludwig

Dozentin, Pfarrerin

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• Begleitung und Beratung
zu Diakoniepraktika
• Schulseelsorge

Tel.: 02304 / 755 - 274
Email: angelika.ludwig@pi-villigst.de

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Verwaltung

Daniela Gobs
Sekretärin

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