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Kinderbuchrezensionen von Ulrich Walter

 

Claudia Rinke; Kinder sprechen mit dem Dalai Lama. Wie wir eine bessere Welt erschaffen; München 2015

Jugendliche befragen den Dalai Lama. Den Antworten vorangestellt sind Hintergründe seiner Biografie und des Buddhismus.

Die Autorin beschreibt zunächst aus der Perspektive einer Anhängerin die Lehre und Person des Dalai Lama, erzählt von seiner Herkunft und gibt einen Einblick in Hintergründe des Buddhismus. So entsteht das Bild eines warmherzigen und mitfühlenden Weisen, der gemäß seiner Lehre weiß, „wie wir eine bessere Welt erschaffen.“
Erst die zweite Hälfte des Buches widmet sich Fragen von jugendlichen Schülerinnen und Schülern - nicht Kindern -, in Deutschland. Manchmal durch Zitate gekennzeichnet, häufig frei zusammengestellt, entsteht so ein Bild aus der Innenperspektive einer Anhängerin.

Die Antworten des Dalai Lama sind aus anderen Positionen auch bekannt, offensichtlich gelingt ihm aber ein Kontakt zu Jugendlichen, der führenden Personen unserer christlichen Kirchen nicht gelingt, bzw. den sie nicht suchen. Bei konkreten Anfragen zur Situation in Syrien und der Ukraine wird es allerdings sehr unkonkret.
Positive Wertschätzung der Jugendlichen erfährt sein Insistieren auf ethische Werthaltungen wie Mitgefühl und Warmherzigkeit, die zu erlangen er als Aufgabe des Menschen einfordert.
Wie auch in anderen Äußerungen werden dabei – leider - die Inhalte der großen monotheistischen Weltreligionen auf die dort gemeinsam zu findende „Goldene Regel“ reduziert. „Das Herz der Religionen ist eins.“ So verlieren diese bei ihm ausdrücklich ihr Monopol, Wurzel ethischer Grundhaltungen zu sein.  Im Nachwort des jugendlichen begründers von „Plant fort he Planet“ wird noch einmal deutlich, wie eindrucksvoll der Dalai Lama auf Jugendliche wirkt, die sich ernsthaft mit der Zukunft der Erde auseinandersetzen und nach Handlungsalternativen suchen.

Jan von Holleben, Jane Baer-Krause; Wie heißt dein Gott eigentlich mit Nachnamen? Kinderfragen zu den fünf Weltreligionen, Stuttgart 2015

Zuerst, dieses Buch ist voller wunderbarer Fotos Jan von Hollebens, der mit seinen genialen Ideen unzählige Gesprächsanlässe bietet und neugierig macht auf das Entdecken und Aufspüren dessen, was das Leben trägt. „Wozu ist Religion eigentlich gut?“ (8) Sie korrespondieren eindrücklich mit den Fragen der Kinder und regen zum Weiterfragen und gemeinsamen Suchen nach Antworten an. Wie heißt dein Gott mit Nachnamen?

Doch nun zu den Texten. Jane Baer-Krause mit ihrem Team von ‚religionen-entdecken.de‘ möchte mit dieser Frage einladen fünf Weltreligionen zu entdecken, deren Ziel es ist, „dass sich die Menschen füreinander interessieren und miteinander reden. Nur so gibt es Frieden auf der Welt.“ (4).

Die Rezension konzentriert sich auf die drei abrahamitischen Religionen und geht von einem hermeneutische Vorverständnis aus, das den Beziehungsaspekt von Bildung und die Sicht über den Tellerrand im Blick behält. Dort wo Menschen sich „füreinander interessieren“ und daher von ihrer und nicht über ihre Religion reden, erzählen sie davon, was sie rück-bindet. Sie erzählen von dem, was ihnen lieb geworden ist und sie prägt, was ihnen Geborgenheit schenkt und ihrem Leben Sinn, Antrieb und Orientierung gibt. Im Sinne einer Haltung Komparativer Theologie braucht es gerade in solchem Dialog „Empathie und liebevolle Aufmerksamkeit“ (A. Langenfeld), um den eigenen Glauben und den Glauben anderer besser zu verstehen.

Unangemessen sind dann distanzierte und durch Konjunktive relativierte Aussagen, dass, z. B. „Jesus „am Kreuz gestorben ist und anschließend auferstanden sein soll.“ (28). Bei diesem Bekenntnis zu Jesus, dem Christus braucht der Dialog den Mut zum Indikativ, so, wie er sich an anderer Stelle zeigt: „Von wem sind die heiligen Schriften?“ – „Die Texte über die Anfänge der Menschheit und ihre Geschichte haben viele Menschen in der jüdischen Bibel aufgeschrieben. Christen verfassten später einen zweiten Bibelband. … Darin erzählen die Freunde von Jesus und andere Menschen von ihren spannenden Erlebnissen mit Gott und Geschichten von Jesus. … Ganz anders ist der Koran entstanden. Er ist nach dem Glauben der Muslime Wort für Wort Botschaft von Gott.“ (68). Offensichtlich stehen hier unterschiedliche hermeneutische Vorverständnisse nebeneinander. Die Frage ist nur: Wie sollen Kinder das beim Lesen erkennen?

Echter Dialog lebt auch von Ecken und Kanten. „Wurde die Leiche von Jesus wirklich geraubt?“ (160). Ebenso sind deutliche Ausführungen zum „heiligen Krieg“ hervorzuheben (23). Aber oft fehlt diese Klarheit: Während auf katholischer Seite bemängelt wird, dass es keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gibt (148), wird andererseits kommentarlos festgestellt, nach „der Kleiderregel im Koran sollen sich Frauen außerhalb ihrer eigenen Wohnung … immer bedecken.“ (119).

Auch im Blick auf den Zusammenhang von jüdischer und christlicher Religion ist mehr Deutlichkeit geboten. Es stimmt nicht, dass „Nur Juden … einen Ruhetag (haben), den ihre Religion vorscheibt.“, denn der Sonntag ist in christlicher Tradition mehr als Einladung zum Gottesdienst (103), und weiß sich dem Ruhegebot des Sabbat verbunden. Unerwähnt bleibt auch der innere Zusammenhang von Osterfest und der Pessach-Tradition, obwohl beides im gleichen Kapitel verhandelt wird (108).

„Liebe, Glück und Frieden auf der Welt. … sind auch ein gemeinsames Ziel aller Religionen.“ (26) Jedoch, das einander im Gewand der eigenen Geschichten, Rituale und Traditionen der jeweiligen Herkunftsreligion mitzuteilen ist, keine distanziert intellektuelle Aufgabe. Das Gemeinsame zu entdecken, ist gerade im Kinder- und Jugendalter mehr, als der „kleinste gemeinsame Nenner“, sondern ein gemeinsame Entdecken, wovon Menschen in ihren unterschiedlichen Religion und Herkommen in aller Tiefe ganzheitlich berührt sind.
Und hier bleibt der Text dieses Buches häufig, bewusst oder vorbewusst, bei Antworten auf der kognitiven Ebene, und das auf Grundlage unterschiedlicher hermeneutischer Vorverständnisse.

Plieth, Martina, Tote essen auch Nutella. Die tröstende Kraft kindlicher Todesvorstellungen; Freiburg 2013

Über einen langen Zeitraum hat die Autorin mit Kindern im Vor- und Grundschulalter zum Thema Tod und Sterben gearbeitet. Sie hat mit ihnen gemalt, erzählt und die Kinder angeregt, sich in ihrer Vorstellungswelt auszudrücken.

Die Vorstellung dieser Bilder verbindet sie mit der Hoffnung, mit diesem Buch Erwachsene zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Todeskonzept anzuregen. In ihrer Einleitung beschreibt sie u. a. Entwicklungsphasen kindlicher Todesvorstellungen und belegt diese durch Zitate.

In sieben Kapiteln werden zunächst Kinderbilder und Aussagen präsentiert. Hier hat das Buch seine Stärken, weil hier Kinder unverstellt und mit überraschender Deutlichkeit zu Wort kommen. Zum anderen werden diese Aussagen dann auf dem Hintergrund menschheitsgeschichtlicher Todesvorstellungen und wissenschaftlicher Hintergründe in die „Welt der Erwachsenen“ übertragen. Dabei wird auch die selbstreflexierende Haltung der Autorin deutlich. Jedes Kapitel endet mit Fragen zur „Selbstwahrnehmung“.

 
 
 
 
Kinderbuchrezensionen-walter
 

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