Interview mit Landeskirchenrat Fred Sobiech, Bildungsdezernent der Ev. Kirche von Westfalen zum Thema Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht

1.    Warum konfessionell-kooperativer RU?

  • Weil die Zahl der christlichen Schüler und Schülerinnen auch in NRW rückläufig ist.
  • Weil aus schulorganisatorischen Gründen der evangelische oder katholische Religionsunterricht vielfach unter Nichtbeachtung der gesetzlichen Regelungen im Klassenverband erteilt wird.
  • Weil die Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern mit konfessioneller Kooperation im RU in anderen Bundesländern (Baden-Württemberg, Niedersachsen) und in NRW (Kooperation des Erzbistums Paderborn und der Lippischen Landeskirche im Bereich der Grundschulen, Pilotprojekt der Ev. Kirche von Westfalen in Kooperation mit den Bistum Münster und dem Erzbistum Paderborn) durchweg positiv sind.
  • Weil konfessionell-kooperativer Religionsunterricht einen (religions-)pädagogischen Mehrwert hat, da er die authentische Begegnung mit der anderen Konfession nachhaltig ermöglich und so hilft sich der eigenen Konfession im Dialog bewusster zu werden. Das gilt für die  Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die Lehrerinnen und Lehrer.
  • Weil die Evangelische und Katholische Kirche in NRW angesichts der sich verändernden  gesellschaftlichen und schulischen Realität durch die Weiterentwicklung der konfessionelle Kooperation einen in der Realität bereits erprobten Handlungsvorschlag für den Religionsunterricht in NRW ermöglichen und unterstützen wollen.

2.    Was ist Konfessionell-Kooperativer Religionsunterricht

  • Rechtlich ist Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht eine fachdidaktische und organisatorische Variante des konfessionellen Religionsunterrichts im Sinne des Grundgesetzes.
  • Inhaltlich orientiert sich Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht an dem Grundsatz „ Gemeinsamkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden.“ Dazu sind die weiterhin geltenden evangelischen und katholischen Lehrpläne aufeinander zu beziehen und (in den Fachschaften der antragstellenden Schulen) und in entsprechende Unterrichtsplanungen zu übersetzen. Hierzu wird es kirchliche Unterstützungsangebote geben.
  • Organisatorisch ist konfessionell-kooperativer Religionsunterricht Unterricht für evangelische und katholische Schülerinnen und Schüler, an dem auf Antrag auch Schüler anderer Religionen und Glaubensrichtungen teilnehmen können. Er ist mit einem verpflichtenden Lehrerwechsel verbunden, der gewährleistet, dass die Schülerinnen und Schüler beide konfessionelle Perspektiven bzw. Zugänge  im Laufe des Unterrichts authentisch kennenlernen  und sich damit auseinandersetzen können.

3.    Wann kommt der Konfessionell-kooperative Religionsunterricht?

  • Die Einführung ist für den Bereich der Grundschulen und für  den Bereich der Sekundarstufe 1 ab dem Schuljahr 2018/2019 geplant. An den Berufskollegs soll die Einführung ab dem Schuljahr 2020/2021 erfolgen.
  • Die entsprechenden Vereinbarungen zwischen den Bistümern Essen, Münster, dem Erzbistum Paderborn  und der EKvW sowie der Lippischen Landeskirche sind unterzeichnet und der entsprechende Schulerlass ist erweitert.

4.    Wie kommt der Konfessionell-kooperative Religionsunterricht an die Schule?

  • Der Konfessionelle-kooperative Religionsunterricht ist zu beantragen. Die Antragstellung erfolgt über die  Schulleitung bei der zuständigen Schulaufsichtsbehörde. Diese führt das Einvernehmen mit den beteiligten kirchlichen Oberbehörden herbei.
  • Folgende Voraussetzungen zu erfüllen:  Befürwortender Beschluss der Fachkonferenzen auf der Grundlage eines fachdidaktischen und fachmethodischen Konzeptes, Nachweis der Beratung in der Schulkonferenz, Sicherstellung des Fachlehrerwechsels.
  • Die Kirchen werden  die antragstellenden Schulen bzw. die beteiligten Lehrer und Lehrerinnen durch Begleitangebote unterstützen. Diese werden durch das Pädagogische Institut der EKvW in Villigst und die Partnerinstitute vorbereitet.





 
 
 
 
Konfessionelle Kooperation
 

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