Ein Zuhause für alle

Islamische und christliche Kinder in Evangelischen Kitas

Zum 21. Gemeindepädagogischen Forum des Pädagogischen Institutes in Haus Villigst kamen am Montag, den 8. April 50 Erzieherinnen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Träger von Tageseinrichtungen im Bereich des Ev. Fachverbandes der Tageseinrichtungen für Kinder in Westfalen und Lippe, um neue Anregungen für das interreligiöse Lernen in Ev. Tageseinrichtungen für Kinder zu bekommen.
Sie brachten dabei ihre eigenen Erfahrungen der Begegnung mit Kindern aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen mit. Insbesondere die Begegnung von Kindern aus christlichen und muslimischen Familien prägt schon heute den Alltag auch vieler Evangelischer Einrichtungen.

Im Referat von Naciye Kamcili-Yildiz, Mitarbeiterin im Fachbereich für Islamische Religionspädagogik und ihre Fachdidaktik an der Universität Paderborn, und Ralf Fischer, Dozent am Pädagogischen Institut, zeigte sich deutlich, dass das Thema insbesondere mit der Art und Weise der Gestaltung des Evangelischen Profils zu tun hat. Evangelisches Profil bedeutet dabei die spannungsvolle Gestaltung der Aufgabe, die Kinder religiös zu bilden, um ihnen auf der einen Seite Identität im christlichen Glauben, und sie auf der anderen Seite zu einem täglichen Austausch und Dialog einzuladen.
Beide Referent*innen zeigten je aus ihrer Sicht Wege zu einem interreligiösen Lernen auf.

Dabei ergaben sich viele Gemeinsamkeiten, etwa in den gemeinsamen Aussagen zur Erschaffung der Welt, oder auch in der wertschätzenden Weise, wie Kinder in beiden Religionen angesehen werden: Kinder sind Geschenke Gottes, für die Erwachsene Verantwortung tragen, verbunden mit der Aufgabe, sie beim Aufwachsen zu begleiten.
Mehr als 50 % der islamischen Eltern zeigen dabei Interesse für interreligiöse Themen in der Kita ihrer Kinder, so Frau Kamcili-Yildiz. Ralf Fischer betonte aus christlicher Sicht, dass alle Kinder Fragen nach Ursprung, Sinn und Ziel ihres Lebens stellen und dabei Begleitung brauchen. Sie wollen Hoffnungsgeschichten kennenlernen und Feste mit allen Sinnen erleben, jeweils auch aus der eigenen Religion.

Für die Begleitung dieser Bildungsprozessen bedarf es der reflektierten Haltung von Erzieherinnen und der Träger der Einrichtungen, in deren Konzept dann auch die Eltern partnerschaftlich einzubeziehen sind.
In den Arbeitsgruppen am Nachmittag, zu denen neben N. Kamcili-Yildiz und R. Fischer zwei weitere Referentinnen des Vormittags, Saida Aderras und Beate Brauckhoff, dazu Nigar Yardim und Ursula August eingeladen hatten, gab es weitere sehr praktische Impulse. Dabei wurde auch der Frage nachgegangen, wie die spannungsreiche Aufgabe einer „Beheimatung im eigenen Glauben“ bei der gleichzeitigen „gemeinsamen Gestaltung des Alltages in religiös heterogenen Gruppen“ umgesetzt werden kann.

Zu Abschluss des Tages wurde deutlich: Interreligiöses Lernen ist heute gerade angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung unverzichtbar, um Wege des Friedens und des Miteinanders der Religionen neu und wieder neu zu ebnen. Dabei wurde deutlich der Wunsch geäußert, auch in evangelischen Einrichtungen verstärkt muslimische Erzieherinnen anzustellen, die als Bezugspersonen die Kinder in Fragen ihrer Religion authentisch und aussagefähig begleiten können. Auf jeden Fall bedarf es weiterhin der verstärkten Bemühung um Begegnung, damit die Kinder in unseren Einrichtungen Erfahrungen eines friedlichen Miteinanders machen, die sie mitnehmen bei ihrem Aufwachsen.

Für die Teilnehmenden war es ein Tag, an dem sie für die Gestaltung der Begegnung beider Religionen sehr viele Gemeinsamkeiten entdecken konnten. Sie nahmen viele praktische Impulse zur Gestaltung von Festen, aber auch neue Lieder und gemeinsame Geschichten für die eigene Arbeit mit.


 
 
 
 
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