Ohne Angst verschieden sein!

Gemeinsame Regionaltagung der Schulreferate und Bezirksbeaufttragten Region Südwestfalen in Haus Nordhelle

In der Schule treffen verschiedene kulturelle Lebenswelten oft hart aufeinander. Manchmal ist auch ein (religiöser) Fundamentalismus anzutreffen, der einen friedlichen Umgang mit kultureller Verschiedenheit erschwert und in Verweigerung umschlagen kann. So erzählten Lehrerinnen und Lehrern aus ihrem Alltag.

Gefordert ist auch interkulturelle Kompetenz besonders in den Förderklassen für Flüchtlinge. Silke van Doorn (Siegen), Achim Riggert (Lüdenscheid), Ursula August (PI), das diesjährige Planungteam, hatten zum Training und zu Vorträgen über interkulturelle und interreligiöse Kompetenz im Schulalltag eingeladen.

Dr. Sandhya Küsters (Universität Bochum), Trainerin für interkulturelle Kompetenz, gab in eindrücklichen Fallbeispielen, mit Spielen und Übungen „Werkzeuge“ für den Umgang mit kultureller Verschiedenheit in Schule und Unterricht „an die Hand“. Sie verdeutlichte, wie sehr wir alle durch die eigene kulturelle Brille sehen und damit andere definieren. Sie sprach über die Gefahr der negativen, aber auch „positiven Diskriminierung“ und dem klischeehaften Festhalten von Unterschiedlichkeit auch im Kontext Schule. Im Hinblick auf die ältere und jüngste Migrationsgeschichte verwies sie auf die Vielfalt kultureller Identitäten, und zeigte auf, dass Schüler*innen oft zwischen zwei Stühlen sitzen und eine „Dritte Identität“ herausbilden. Im Rahmen religiöser Identitätsbildung entwickeln sich dabei auch ganz neue Formen einer Patchwork-Religion.

Prof. Dr. Mirjam Zimmermann (Universität Siegen) begann mit Beispielen aus dem Schulalltag und der Praxis interreligiöser Begegnung, um die Notwendigkeit interreligiöser Kompetenz zu verdeutlichen. Nach der Einführung in verschiedene Ansätze interreligiöser Religionspädagogik, stellte sie ihren eigenen Ansatzes vor: Interreligiöses Lernen – Begegnung in der Narration. Erzählungen reflektieren die Wirklichkeit, bieten Lebensnähe und Reduktion, zugleich ermögliche sie Distanzierung. Erzählungen sind aber auch Speichermedium des kollektiven Gedächtnisses. Sie sind identitätsstiftend und kulturtragend, und sie spielen in den Religionen eine zentrale Rolle. So verbinden sie diese miteinander und fördern zugleich das eigene Profil.
Mirjam Zimmermann verwies auf die Didaktik und ihre Implikationen, um dann eine umfangreiche Sammlung von Kinder-und Jugendbüchern vorzustellen (siehe auch Mirjam Zimmermann, Interreligiöses Lernen narrativ), die in verschiedenen Jahrgangsstufen einzusetzen sind. Zum Abschluss stellte sie vor, wie sich das Thema  „Feste in den Religionen “ anhand einer didaktischen Erzählung als Unterrichtsreihe entwickeln lässt.

Vertieft wurden die Anregungen aus den Vorträgen noch einmal in drei Arbeitsgruppen:

  • Wie gehen wir mit unterschiedlichen Werten um?
  • Welche Rolle spielt die Ambiguitätstoleranz in heterogenen Schulklassen
  • Taugt das interreligiöse Modell der „gegenseitigen Gastfreundschaft
  • In Demut und Bamherzigkeit“
  • Für ein gelingendes Zusammenleben der Verschiedenen


Die Erzählung vom verlorenen Sohn im Vergleich mit einem Gleichnis aus dem Lotus-Sutra;  Geschichten über die Nacht aus den drei Monotheistischen Religionen, begleiteten die Teilnehmenden bei den Andachten.

(Auszüge aus den Materialien der Tagung können im Pädagogischen Institut bezogen werden).



 
 
 
 
Ohne Angst verschieden sein!
 

Pädagogisches Institut der EKvW - Iserlohner Straße 25 - 58239 Schwerte
Fon (Zentrale): 02304 / 755-160 - Fax (Zentrale): 02304 / 755-247 - verwaltung@pi-villigst.de
- Impressum