Pädagogischer Tag: Friedensbildung

Kriegsangst bei jungen Menschen nimmt extrem zu

Mitteleuropa hat mehr als siebzig Jahre lang ununterbrochen Frieden erlebt – und dennoch nimmt die Kriegsangst bei jungen Menschen – angesichts internationaler Konflikte – extrem zu. Das sind die erschreckenden Ergebnisse der letzten SHELL-Jugendstudie aus dem Jahr 2017. Festgestellt werden darin auch eine zunehmende Gewaltbereitschaft, Hetze und Diskriminierung im digitalen Netz.

Beim Studientag im Pädagogischen Institut, zu dem Prof. Dr. Ulrike Baumann ( PTI Bad Godesberg), Uwe Trittmann (Evangelische Akademie im IKG) und Pfarrerin Ursula August (PI VIlligst) eingeladen hatten, ging es nicht nur um Analyse, sondern auch um konkrete Perspektiven für die Friedensbildung an Schulen.

Für die aktuelle Bestandsaufnahme wie für die Lösungsstrategien standen zwei renommierte und durch jahrzehntelange Praxiserfahrung ausgewiesene Referent*innen zur Verfügung:
Die Psychotherapeutin Dr. Angelika Claußen, Europavorsitzende der Internationalen Vereinigung der Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW)/ICAN-Kampagne. Diese weltweit agierende Gruppe hatte im vergangenen Jahr für ihre internationale Arbeit zum Atomwaffenverbotsvertrag den Friedensnobelpreis erhalten. Anhand der Kampagne verdeutlichte Angelika Claußen den Unterschied zwischen Sicherheitslogik und Friedenslogik – ein Thema auch für die Friedensbildung in der Sekundarstufe II und an der Berufsschule.
Der zweite Referent war Ulrich Jäger, Friedenspädagoge und Leiter des Programms der Berghof Foundation für Friedenspädagogik und Globales Lernen, der seit vielen Jahren weltweit in Konfliktregionen moderiert und in Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren friedenspädagogische Bildungsprogramme für die Schule entwickelt. Neben der Vorstellung von Unterrichtsmaterialien, benannte er die Spannungsfelder, in denen Friedensbildung geschieht, um dann auf ein „Schulethos“ einzugehen, dass auch die Friedensbildung zur Grundlage haben müsse.

Die Teilnehmenden (z. T. weit gereist – von Saarbrücken bis Oldenburg) waren Lehrer*innen, in der Friedensarbeit der Landeskirchen Beauftragte und Referent*innen für Friedensbildung an Schulen, die an einem Qualifizierungskurs der drei evangelischen nordrhein-westfälischen Kirchen (durchgeführt an den Pädagogischen Instituten) teilgenommen hatten. Sie hatten Gelegenheit zum Austausch über ihre Praxis und zur Auseinandersetzung mit den Thesen der Vortragenden. Es eröffneten sich viele praktische Möglichkeiten, friedenspolitisches Engagement und schulisches Lernen zu verknüpfen. Entsprechende Modelle und Materialien können in einigen Tagen auf der Homepage des Pädagogischen Institutes eingesehen werden.
Dabei wurde auch über Inhalte, Methoden, Kooperationen für einen erneuten Qualifikationskurs beraten.
In der weiteren Diskussion stellte sich sehr deutlich heraus, dass die Inhalte der Agenda 2030 zur Friedenserziehung und Friedensbildung auch in den nationalen Bildungsplänen verankert werden müssen.

Nur eine durchgehende Berücksichtigung der friedensbezogenen Lehrinhalte in allen Schulfächern, als Querschnittsaufgabe, führe zu nachhaltigen und tiefgreifenden Veränderungen. „Eine Kultur des Friedens und Konfliktmanagements“ müsse in den Schulstrukturen selbst verankert werden. Darin herrschte beim Forum in Villigst Einigkeit.


 
 
 
 
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