Religionen in der Kita

17. Gemeindepädagogisches Forum des Pädagogischen Institutes in Villigst

Zu diesem Thema begrüßte Prof. Dr. Hans-Martin Lübking am 11. März in Haus Villigst zum 17. Gemeindepädagogischen Forum des Pädagogischen Institutes.

„Lernen in der Kita ist Erfahrungslernen.“ So führte Hans Hilt, Dozent am PTZ Birkach der Ev. Kirche in Württemberg in seinen Vortrag ein. Kinder lernen also im Austausch mit anderen Kindern und deren Erfahrungswissen.

In einer Zeit, in der fast alle Erzieherinnen in ihrer Arbeit tägliche Erfahrungen sammeln mit Kindern die einen Migrationshintergrund haben und deren  Herkunft aus verschiedenen Religionen stammt, kommt es zu der Erfahrung: „Wir müssen in den Kitas auf religiöse Unterschiede eingehen. Ein Ausblenden dieser Frage wird von den meisten Erzieherinnen ausgeschlossen.“
Die Kernfrage lautet: Wie können wir also in evangelischen Einrichtungen mit evangelischem Profil alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Religionen ernst- und wahrnehmen?

„Religiöse Identität bildet sich durch Begegnung und Verständigung.“ Dieser Grundsatz der Arbeitshilfe: „Religionen in der Kita“ bestimmte die folgenden Gedankengänge.

Dabei formulierte Hans Hilt zwei Ziele.
1.    Einmal geht es darum, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, Erfahrungen mit ihrer je eigenen Religion zu machen. Sie sollen sagen und fragen dürfen, was sie wollen, und dabei mit ihrer Haltung respektvolle Behandlung erwarten können.
2.    Zum anderen geht es darum, dass alle Kinder mit- und voneinander lernen, dass es Unterschiede gibt: Da sind Kinder, die anders denken und glauben.

Mit diesen zwei Zielen im Auge geht es in der pädagogischen Arbeit um die Wahrnehmung der eigenen „Schätze“, aber auch der Unterschiede:

Verschiedene Namen, mit denen Gott angerufen wird, unterschiedliche Formen des Gebetes und der religiösen Rituale und unterschiedliche Vorschriften im Blick auf das Essen sind einige davon. Hier erwarten Kinder ein offenes und ehrliches Eingehen auf ihre Fragen.

Zudem betont Hilt die gesellschaftliche Seite der pädagogischen Herausforderung. Alle Tageseinrichtungen für Kinder haben über die konfessionellen Aufgaben hinaus, Anteil an dem Auftrag, „das Kind (in Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten) auf ein verantwortungsbewusstes Leben in einer freien Gesellschaft im Geist der Verständigung, des Friedens, der Toleranz, der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Freundschaft zwischen allen Völkern und ethnischen, nationalen und religiösen Gruppen sowie zu Ureinwohnern vorzubereiten.“ Hier zitierte er aus Art. 29 der UN-Kinderrechte-Konvention.
Und ein solches Miteinanderlernen gelingt seiner Ansicht nach in der Kita besonders gut.

Im Austausch mit den Teilnehmenden wurde unter anderem herausgestellt:
Es braucht von Anfang an das Gespräch mit den Eltern. Wie leben sie ihre Religion, oder auch ihre bewusste Religionslosigkeit in ihrer Familie?
Die meisten Teilnehmenden waren der Ansicht: Es ist hilfreich, wenn in einer evangelischen Einrichtung mit einer Mehrheit von muslimischen Kindern eine muslimische Fachkraft eingestellt wird, auch und gerade als authentische Zeugin einer anderen Religion.

Im Laufe der Diskussion wurde vermerkt, dass es für die Vielfalt dieser Herausforderungen Zeit braucht. Es bedarf der Verständigung darüber, in welcher Weise Erzieherinnen als christliche Fachkräfte in dieser heterogenen Situation der Spannung zwischen ev. Identität und dem Respekt vor allen Kindern und ihrer Religion Gestalt geben können. Es bedarf dazu eines Hintergrundwissens und der theologischen Redlichkeit, die auch vom Träger mit zu begleiten ist.

„Ich stehe zu meinem Glauben und ich schaue über den eigenen Tellerrand, mit der Bereitschaft mich zu öffnen, und mit der Erfahrung Neues zu entdecken.“ Zu einer solchen Haltung lud Nevin Savas, muslimische Erzieherin in einem ev. Familienzentrum in Marl, ein.

Nach der Mittagspause wurde das Gespräch in zwei Gruppen weitergeführt. Sabine Prott (evta) und Dr. Remy Stork (eaf) arbeiteten am Thema „Team und Träger“ über die Grundlagen, die es zu verabreden gilt im Spannungsfeld von evangelischer Identität und der Offenheit für alle Kinder mit ihrer religiösen Herkunft.

Ralf Lange-Sonntag (IKG), Ralf Fischer (PI) und Nevin Savas arbeiteten an Fragen des christlich-islamischen Dialoges im Alltag der Ev. Tageseinrichtungen für Kinder.

In einer Austauschrunde zeigte sich, dass viele Einrichtungen schon auf einem guten Weg sind als „gute evangelische Kitas“ alle Kinder in ihrer Vielfalt wertzuschätzen und damit einer interreligiösen Öffnung positiv gegenüber stehen.

Dennoch, so die Einschätzung vieler, bleiben weiterhin auch bei einer offenen Grundhaltung Fragen, die sich gerade in der konkreten Praxis ergeben, und hier sind Erzieherinnen auf eine gute Begleitung der Träger und gute Fortbildungsangebote angewiesen.


 
 
 
 
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