Pädagogisches Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen

Hermeneutik - Auslegung der Schriften - Bibel und Koran

Das zweite Modul des Qualifikationskurses „Interreligiöses Lehren und Lernen“

Unter der Moderation von Nagihan Varol und Britta Möhring fand das zweite Modul des Qualifikationskurses „Interreligiöses Lehren und Lernen“  statt. Es stand unter dem Thema: Hermeneutik - Auslegung der Schriften  - Bibel und Koran. 16 Lehrer*innen aus verschiedenen Schulen folgten zunächst den grundlegenden theologischen Vorträgen von Markus Gerhold, Mitarbeiter am Institut für Islamische Studien, Universität Gießen und Fachleiter für den Zertifikationskurs Islamischer Religionsunterricht Sekundarstufe II in NRW, und Prof*in Dr. Gerlinde Baumann, Marburg.
Markus Gerhold machte deutlich, dass der Koran sich in Ganzheit als Offenbarung Gottes verstehe. Koranauslegung finde aber immer in einem Vieleck statt: in Bezug auf die mündliche und schriftliche Überlieferung und Tradition, dem individuellen mündigen, freien Verstand und dem Gebundensein an die Gemeinschaft, den Zusagen des Koran an eine bestimmte Volksgruppe und die Universalität seiner Aussagen, dem Vertrauen auf Gott und seine Barmherzigkeit - und dem Tun der Rechtleitung.
Gerlinde Baumann ging auf 5 verschiedene Formen der Hermeneutik der Bibelauslegung in Geschichte und Gegenwart ein (die jüdische, griechisch-orthodoxe, katholische, evangelische sowie die fundamentalistische). Sie bezog sich dabei immer wieder auch auf die  historisch-kritische Methode und den „Kanon im Kanon“, auf das „Gotteswort im Menschenwort“.
Schnell wurden Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich. Diskutiert wurde über den unbedingten Anspruch des Wortes der jeweiligen Schrift  in der niedergelegten Ganzheit und über die persönlichen Geltung der Schriftworte, auch über die Berücksichtigung des „Kontextes“ in der Hermeneutik der Auslegung.
In einem zweiten Teil stellte Jannika Haupt (Evangelische Religionslehrerin), den Unterricht vor,  wie er derzeit in einem Modellversuch im Klassenverband der Jahrgangsstufe 11 von evangelischen/katholischen, islamischen Religionslehrer *innen und dem Lehrer für Praktische Philosophie in Teams an der Ev. Gesamtschule Gelsenkirchen erteilt wird.  In ihrer Präsentation ging sie auf die gemeinsam mit der muslimischen Religionslehrerin entwickelte Unterrichtsreihe „Hermeneutik“ ein, in deren Mittelpunkt auch die Beschäftigung mit den im Koran und in der Bibel überlieferten Texten von Abraham standen.  
Auch in diesem zweiten Modul entwickelten die Teilnehmenden wieder Unterrichtsbausteine für einen interreligiösen Religionsunterricht, nach Schulformen getrennt und entlang der Curricula für den Evangelischen und Islamischen Religionsunterricht, diesmal zum Thema „Hermeneutik – die Entstehung und Auslegung der Heiligen Schriften.
Aufmerksames Zuhören, Lernbereitschaft für das jeweils Andere und gegenseitiges Vertrauen kennzeichneten auch in diesem Modul wieder die Atmosphäre der Lerngruppe, besonders als die Einzelnen ihren jeweils persönlichen Umgang mit ihrer „Schrift“ für die  gelebte „praxis pietatis“ einander teilten. Diesmal blieb viel Zeit für den kollegialen Austausch über die Praxis des interreligiösen Lernens an den jeweiligen Schulen, aus denen die Teilnehmenden des Qualifikationskurses kommen.
In einem Abschlussfoto präsentierten sich die Teilnehmenden mit Karten, die die Aufschriften „Hass hat kein Herz“ und „Hass ist hässlich“ trugen,  um so ein sichtbares Signal für den bundesweiten Tag gegen Islamfeindlichkeit zu senden.  
Dozentin Ursula August (PI) und die Vorsitzende des Verbandes muslimischer Lehrer*innen, Birgül Bayram, beide Mitglieder der Planungs-und Leitungsgruppe für diesen Qualifikationskurs, luden ein zum dritten Modul, dass im September stattfinden wird und unter dem Thema „ Jesus und Mohammed“ steht. Prof. Dr. Martin Leutzsch und Bernd Ridwan Bauknecht werden u.a. die Referenten in diesem Modul sein.


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