Pädagogisches Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen

„Machet jut“

Eberhard zur Nieden im Alter von 82 Jahren verstorben

Mit dieser ermunternden Aufforderung wird mir Eberhard zur Nieden stets in Erinnerung bleiben. Eberhard zur Nieden war von Anfang 1988 bis Mitte 2000 im Pädagogischen Institut als Dozent für den berufsbildenden Bereich zuständig und damit mein unmittelbarer Vorgänger in diesem Amt. Zuvor war er Bezirksbeauftragter und Berufsschulpfarrer im Kirchenkreis Iserlohn und unterrichtete etliche Jahre an der Berufsschule für Land- und Gartenbau in Letmathe. Eberhard zur Nieden war ein Praktiker, der aus dem Schulalltag kam und wusste, wovon er sprach, und dem vor allem die Schüler*innen am Herzen lagen. Lebensweltbezug und Problemorientierung waren für ihn weder ‚Leer‘- noch ‚Lehr‘-Formeln‘, sondern Auftrag und Herausforderung. Mit vielfältigen Aktivitäten versuchte er diesem selbstgesetzten Anspruch gerecht zu werden:

Zunächst sind da die ungezählten Fortbildungsveranstaltungen zu nennen, die äußerst innovativ und anregend waren. Eberhard zur Nieden eröffnete Experimentier- und Erfahrungsräume, die sowohl junge als auch ‚gestandene‘ Kolleg*innen nach Villigst lockten. Natürlich waren auch die ‚religionspädagogischen Standards‘ dabei, aber eben auch solche Themen wie ‚Traumdeutung‘ und ‚Gestaltpädagogik‘. Neuen Ideen gegenüber war er stets aufgeschlossen und setzte alle Hebel in Bewegung, um den Wünschen der Kolleg*innen gerecht zu werden. So ermöglichte er bereits damals die Gründung einer Supervisionsgruppe für Berufsschulkolleg*innen, was mich in meiner eigenen beruflichen Entwicklung nachhaltig prägen sollte.

Besonders beeindruckte mich an Eberhard seine zugewandte, stets freundliche, hemdsärmelige Kollegialität; wobei hemdsärmelig nicht ganz korrekt ist: Eberhard war dafür bekannt, dass er niemals – auch nicht bei hochoffiziellen Anlässen – Anzug und Krawatte trug. Das hielt er ganz konsequent bis zu seiner Verabschiedung durch. Typisch waren für ihn Pullover, etwas, das ihn mit Rudi Dutschke verband. Aber dieses Äußere war eben auch ein Spiegel seines Wesens: Nicht die Etikette zählte bei ihm, sondern dass für die Menschen etwas in Bewegung kam.

Bereits kurz nach seinem Dienstantritt im PI initiierte er (zusammen mit Bernhard Laß) eine Untersuchung zu den neuesten Entwicklungen im Berufsschulreligionsunterricht, später wirkte er bei der Herausgabe des ersten BRU-Handbuches mit und gab gemeinsam mit einem Redaktionsteam die ‚Bausteine-Religion‘ heraus, die Materialien und Arbeitshilfen besonders für solche Klassen liefern sollten, die auch bei den Lehrkräften eher auf der unteren Skala der Beliebtheit standen. Sein Engagement im Religionslehrer*innenverband ‚VRB‘ und in der Gesellschaft für Religionspädagogik Villigst e.V. galt ebenfalls dem großen Ziel, durch einen lebensnahen und lebendigen BRU möglichst viele junge Menschen zu erreichen und zu begeistern.

Wir (auch ich ganz persönlich) haben Eberhard zur Nieden viel zu verdanken. Er hat gefördert, ermutigt, angeregt und damit bleibende Leuchttürme gesetzt, die auch heute noch strahlen:
Die Bausteine-Religion gibt es nach wie vor, das BRU-Handbuch erscheint demnächst in einer vierten (natürlich inhaltlich an den heutigen Herausforderungen orientieren) Auflage.

Auf der Karte mit der Todesnachricht ist vorne ein Bild von Eberhard zur Nieden abgebildet, das ihn als begeisterten Zeitungsleser zeigt. So kennen ihn viele: neugierig, am Zeitgeschehen interessiert, stets auf dem neusten Stand. Daran hat er andere partizipieren lassen, wovon auch die von ihm gegründete Lesewerkstatt zeugte. Am 20. April ist Eberhard zur Nieden nach langer und schwerer Krankheit gestorben.

Eberhard – „Machet jut“.
Und  – daran glauben und darauf hoffen wir, wie es in dem Bibelwort auf der Todesanzeige aus 1. Mose 12,1.2 heißt:
„Geh aus deinem Vaterland in ein Land, das ich dir zeigen will.
Ich will dich sehen und du sollst ein Segen sein.“

von Dr. Meinfried Jetzschke


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