Pädagogisches Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen

„Wie spielt man eigentlich Frieden?“

Unter diesem Titel hatte die Abteilung Kinder-Jugend-Bildung des Kirchenkreises Lennep, gemeinsam mit Caritas und Diakonischem Werk zu einem Werkstatt-Tag eingeladen. Am Vormittag gaben dazu der Schriftsteller Navid Kermani einen „literatischen“ und Ursula August, aus dem PI Villigst, einen „pädagogischen Impuls“.

Viele Lehrer*innen, Mitarbeitende aus Kindertagesstätten und der Jugendarbeit waren der Einladung gefolgt.
Navid Kermani, ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels, ging bei der Lesung aus seinem neuesten Buch „Entlang den Gräben“ auf die „Reise“ in für viele immer noch vergessene und unbekannte Regionen.

Die Auszüge aus dem „Reisebericht“ begannen östlich von Deutschland, führten über die Baltischen Staaten in den Kaukasus und endeten schließlich im Iran.  Seine „Lese-Reise“ führte auch in von Kriegen und Katastrophen zerklüftetes Gebiet. Navid Kermani erzählte eindrücklich über Kämpfe, aber auch notwendige Erinnerungskultur nach Genoziden, und biographische Hoffnungsgeschichten. Er gab auch Einschätzungen zur Entwicklung im Nahen-und Mittleren Osten wie zur Lage in Syrien. Mit untrüglichem Gespür für sprechende Details erzählte er von Menschen, deren Geschichten wahr sind und sich doch widersprechen.

Ursula August erinnerte an den Perspektivenwechsel, den die Friedenspädagogik nach Johann Galtung vollzogen habe: Es gehe nicht um die Abwesenheit von Krieg und Gewalt („negativen Frieden“), sondern um die aktive Schaffung einer langfristigen Kultur des Friedens („positiver Frieden) in allen gesellschaftlichen Bereichen und global. Dies umfasse auch soziale, wirtschaftliche und Bildungs-Gerechtigkeit und die Wahrung der Menschenrechte. Jede Friedenspädagogik müsse selbstkritisch mit den Strukturen umgehen, in denen diese geschehe. Sie stellte Ansätze, auch Didaktik und Methodik der Friedenspädagogik vor. Dazu gehöre auch das „Vorbild-Lernen“. In diesem Zusammenhang erwähnte sie das Journalisten-Projekt „Peacemaker“ der Berghof-Foundation und die interreligiösen Abrahamsfeste. Sie wies auf die Ausbildung zum Friedensreferenten/zur Friedensreferentin an Schulen hin, die seit 2013 durch die beiden pädagogischen Institut Rheinland und Westfalen verantwortet und in Fort-und Weiterbildungen begleitet wird.
Die rheinische, westfälische und lippische Landeskirche hatten sich in synodalen Beschlüssen dazu entschlossen, die Schulen in ihrem Bildungsauftrag der Friedenserziehung durch den Einsatz auch dieser Referent*innen zu unterstützen, und damit einen Perspektivenwechsel anzuzeigen: Dazu gehört, dass nicht nur der Bundeswehr, sondern auch anderen Organisationen der Friedensbewegung die Möglichkeit zur Darstellung ihrer Positionen im Schulunterricht gegeben wird.

Am Nachmittag fanden verschiedene Workshops statt. Das Angebot reichte von spielerischen Methoden zur Gewaltprävention und Übungen aus dem Deeskalations-, und Argumentationstraining, bis zur  „gewaltfreie Kommunikation“ und dem  „Puppentheater des Friedens aus Mexiko“.
rp


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