Zentralveranstaltung in Hagen "Mahlzeit! Und zwar für jedes Kind!"

Evangelische Kirche von Westfalen fordert kostenfreie Mahlzeit für jedes Kind in der öffentlichen Erziehung Hagen/Westfalen.

Das sonnigste Wetter war den Besuchern des Innenstadtmarktes am Samstag den 27. September beschert. Aber es war nicht ein Markttag wie jeder andere. Leere Suppentöpfe machen auf dem Marktplatz darauf aufmerksam, dass die Grundversorgung mit Mahlzeiten der Kinder vor oder in der Schule nicht mehr gewährleistet ist.

Mit dieser Aktion der Kinder-Tafel der Evangelischen Jugend in Hagen setzt die Evangelische Kirche von Westfalen die Kampagne „Lasst uns nicht hängen!“ – Gegen Kinderarmut fort. Die Besucher des Samstagmarktes in Hagen waren verwundert. Zwischen Marktständen gefüllt mit Lebensmitteln standen große Suppentöpfe. Gefüllt waren sie allerdings nicht mit einer schmackhaften Mahlzeit, wie sich bei einem Blick in den Topf zeigte, sondern jeweils mit einem Zitat eines Kindes, wie z.B. von Saskia, 8 Jahre „Wenn ich Hunger hab, ist mein Kopf ganz leer. Dann kann ich mir in der Schule gar nichts richtig merken“.

Dieses und ähnliche Zitate verdeutlichen: längst nicht jedes Kind bekommt eine warme Mahlzeit am Tag. Die Kindertafel Hagen Dem Leiter der Evangelischen Jugend in Hagen Frank Fischer ist dies aus seiner sozialen Arbeit mit Kindern bekannt. Darum initiierte er das Projekt Kinder-Tafel, das nun seit einem Jahre aus einem Unterstützerkreiskreis aus Einzelpersonen und Kirchengemeinden besteht.

Konfirmandinnen der Paulus Kirchengemeinde, Superintendent Bernd Becker, Pfarrerin Schwedtfeger, Frank Fischer, Andrea Döring, Udo Bußmann

„Innerhalb dieser Kooperation“, so Fischer, „erreichen wir täglich fast 900 Kinder, von denen vor der Arbeit der Kinder-Tafel die Hälfte nicht ausreichend mit Mahlzeiten versorgt waren.“ Dazu muss die Tafel für ein Schuljahr 60.000 € aus eigenen Mittel aufbringen. „Für das laufende Jahr haben die Hälfte schon zusammen“, berichtet Fischer. Das anstehende Entedankfest, so der Superintendent des Kirchenkreises Hagen Bernd Becker, sei genau der richtige Zeitpunkt auf die Problematik hinzuweisen und „solange die Politik keine Lösung findet, werden wir diese Arbeit weiter leisten“. Wie notwendig das ist unterstrich die pädagogische Leiterin des offenen Ganztagsbereichs der Schulen, Andrea Döhring. 2,50 € pro Tag für das Essen in der Schule sei für manche Eltern einfach schon zu viel und Kinder könnten sich nicht konzentrieren oder werden sogar aggressiv, einfach weil sie einen leeren Magen haben.

Bürgerschaftliches Engagement allein reicht nicht – ist aber ein Anfang

Die Forderung der westfälischen Kirche nach einem Recht auf eine warme Mahlzeit für jedes Kind in den Einrichtungen der öffentlichen Erziehung, Bildung und Betreuung, so Landesjugendpfarrer Udo Bußmann, kann nicht durch Einzelne erfüllt werden. Solange ein Bündnis zwischen Kommunen und Bund keine tragfähige Lösung anbietet, seien Initiativen einzelner Träger und Verbände und ehrenamtliches Engagement aber ein notwendiger und hilfreicher Schritt. Die Kinder-Tafel in Hagen sei deshalb, so Bußmann nach der Aktion, ein Mut machender Anfang. Der Oberbürgermeister der Stadt Hagen, Peter Demnitz, sagte im Gespräch mit Frank Fischer dazu, dass er das Abwälzen der Verantwortung vom Bund auf die Kommunen problematisch erlebt und deshalb umso dankbarer für das Engagement der Kinder-Tafel ist. Auf die Rückfrage, wie man die Forderungen denn finanzieren solle, antwortete Bußmann, dass man einen Anteil des Kindergeldes für die Mahlzeiten verwenden solle. Tatkräftig unterstützt wurde die Aktion von Konfirmanden der Evangelischen Pauluskirchengemeinde und ihrer Pfarrerin Elke Schwedtfeger. Frischgebackene Brezeln wurden von ihnen gegen eine freiwillige Spende für die Kinder-Tafel von den Besuchern des Marktes reichlich angenommen. Ziele und Forderungen der Kampagne Die bis November 2009 laufende Kampagne der Evangelischen Kirche von Westfalen „Lasst uns nicht hängen!“ zielt darauf, die Mitverantwortung in Kirche und Gesellschaft bewusst zu machen sowie Hintergründe und Folgen von Kinderarmut zur Sprache zu bringen.

Zu den politischen Zielen und Forderungen der Kampagne gehören über eine warme Mahlzeit täglich für jedes Kind hinaus, die Teilhabe für Kinder am gesellschaftlichen Leben, unabhängig von der finanziellen Lage im Elternhaus. Dazu gehört unter anderem kostenfreie Plätze im Kindergarten und offenen Ganztagsschulen, kostenfreie Schulbücher, Zugang zu Computern und ins Internet, Teilnahme an Schulfahrten, Zugang zu öffentlichen Kultur- und Freizeitangeboten.

Bilder der Zentralveranstaltung in Hagen

Weitere Berichte

- Bericht auf dem Portal der WAZ Mediengruppe Gruppe

- Bericht auf reformiert-info.de

 
 
 
 
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