Zentralveranstaltung in Hamm am 25.04.2009

„Öffne uns die Augen": Aktionstag gegen Kinderarmut

Mit einem Aktionstag gegen Kinderarmut in der Hammer Fußgängerzone hat sich der Kirchenkreis Hamm am Freitag, 24. April an der Kampagne gegen Kinderarmut der Evangelischen Kirche von Westfalen beteiligt. Der Aktionstag hatte den Schwerpunkt „Konfirmation". Unter dem Motto „Öffne uns die Augen" war das Ziel, dass kein Kind von der Konfirmation ausgeschlossen wird oder sich ausgeschlossen fühlt, weil es arm ist. Die Initiatoren aus den Bereichen Jugendarbeit, Konfirmandenarbeit und Gesellschaftliche Verantwortung wollten zum Beispiel mit einer „blinden Seilschaft" aus 20 Konfirmanden, die mit verbundenen Augen und nur durch ein Seil verbunden durch die Fußgängerzone geführt wurden, die Augen öffnen für ein Problem, das von den meisten Menschen übergangen wird: Der Tatsache, dass es in Hamm weit mehr als 5.000 arme Kinder gibt. In ganz NRW wird geschätzt, dass etwa 800.000 Kinder in Armut leben oder von Armut bedroht sind. So werden allein in Hamm an den vier Suppenküchen für Kinder, die in Trägerschaft oder Mitträgerschaft Evangelischer Kirchengemeinden sind, jede Woche über 300 kostenlose Mittagessen ausgegeben. Landesjugendpfarrer Udo Bußmann nannte den Aktionstag ein Signal, das von Hamm aus als Bitte an alle Gemeinden der westfälischen Landeskirche gehe: „Prüft, was ihr tun könnt, damit arme Kinder und Jugendliche an der Konfirmandenarbeit kostenfrei teilnehmen können! Prüft, was ihr tun könnt, um Jugendlichen die Teilnahme an den Angeboten der Jugendarbeit einschließlich der Freizeiten zu ermöglichen! Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen erfahren können, dass der Himmel für sie offen ist."

Arbeitsgruppe „Kinderarmut" im Kirchenkreis Hamm

Seit Herbst 2008 hat sich im Kirchenkreis Hamm eine Arbeitsgruppe „Kinderarmut" gebildet, zu der Volker Alteheld (Leiter des Referates Jugendarbeit) sowie die Pfarrer Ulrich Brodowski (Beauftragter für Konfirmandenarbeit), Ralf Gumprich (Vorsitzender des Ausschusses für Gesellschaftliche Verantwortung und Umwelt), Alexander Meese (Jugendkirche) und Dr. Tilman Walther-Sollich (Öffentlichkeitsarbeit und politische Diakonie) gehören. In einer Umfrage in den 14 Gemeinden des Kirchenkreises wurde zunächst einmal erhoben, wie viel die Teilnahme am Konfirmandenunterricht überhaupt kostet. „Zwischen 50 und über 100 Euro für Konfirmandenfreizeiten und Unterrichtsmaterial kostet in unseren Gemeinden die Teilnahme am Konfirmandenunterricht - ohne die Kosten für die Konfirmationsfeier", hat Pfarrer Ulrich Brodowski dabei herausgefunden.

„Kein Kind soll ausgeschlossen werden oder sich ausgeschlossen fühlen"

In den Kirchengemeinden gibt es schon immer die Möglichkeit zur diskreten finanziellen Unterstützung aus Spenden und Kollekten für die Jugendlichen, die die Kosten für Freizeiten und Unterrichtsmaterial nicht aus eigener Kraft aufbringen können. „Wir haben aber gemerkt, dass es wichtig ist, hier noch viel genauer hinzuschauen und nicht die Augen davor zu verschließen, dass sich auch in der Kirche arme Kinder und Jugendliche allein aufgrund ihrer finanziellen Situation von der Beteiligung an so grundlegenden Bildungsangeboten wie der Konfirmandenzeit ausgeschlossen fühlen können", hebt Superintendent Rüdiger Schuch hervor. Der Kirchenkreis Hamm wird sich auf seiner Sommersynode im Juni weiter mit dem Thema beschäftigen. Superintendent Schuch: „Wir wollen innerhalb und außerhalb der Kirche die Menschen für die Probleme armer Kinder sensibel machen und dafür werben, konkrete Projekte wie die kostenlosen Mittagstische auch finanziell zu unterstützen. Auch wenn zweifellos in Hamm eine Vielzahl an Hilfsangeboten besteht, setzen wir uns getreu unserem Motto „Öffne uns die Augen" weiterhin dafür ein, dass die sozialpolitische Diskussion über staatliche und kommunale Maßnahmen gegen Kinderarmut weitergeht."

Hingucker-Parcour, Tauschaktion und Jugendkirche

Das Programm zum Aktionstag gegen Kinderarmut wurde vom Team der Jugendkirche, Mitarbeitenden der Evangelischen Jugendarbeit und Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Berge, Bockum-Hövel, Braam-Ostwennemar, Herringen und Pelkum vorbereitet. Ein Infostand und ein Hingucker-Parcour machte auf die Probleme von Kinderarmut aufmerksam. Bei einer Tauschaktion zugunsten der Hammer Mittagstische für Kinder konnten gegen eine Geldspende, Sachspende oder Zeitspende (für ehrenamtlichen Einsatz) Postkarten der Aktion „lasst-uns-nicht-haengen.de" eingetauscht werden. Als „Blinde Seilschaft" wurden zudem 20 Konfirmandinnen und Konfirmanden mit verbundenen Augen, nur durch ein dickes Seil miteinander verbunden, durch die Fußgängerzone geführt. So wurde das Motto „Öffne uns die Augen" von den Jugendlichen, die nichts sehen konnten, symbolisch dargestellt. Zum Abschluss fand in der Lutherkirche Hamm ein Gottesdienst der Jugendkirche statt. Nach dem Gottesdienst wurden die gesammelten Spenden der Tauschaktion vom Nachmittag zugunsten der kirchlichen Mittagstische für Kinder und Jugendliche versteigert werden.

Dr. Tilman Walther-Sollich

 
 
 
 
Konfirmation
 

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