Ergebnisse der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen

Evangelische Kirche von Westfalen will Skandal mit allen Kräften bekämpfen

Bielefeld/Westfalen. Die Armut von Kindern muss mit allen Kräften
bekämpft werden. Dafür setzt sich die Evangelische Kirche von
Westfalen (EKvW) weiterhin ein und nimmt dabei sowohl sich selbst als
auch die Politik in die Pflicht. Das hat die Synode, das
„Kirchenparlament" der EKvW, am Freitag (13.11.2009) in Bielefeld
beschlossen.

In der Kampagne gegen Kinderarmut „Lasst uns nicht hängen!" hat die
westfälische Kirche eineinhalb Jahre lang den Skandal der Kinderarmut
ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Forderungen der Synode richten
sich nun nach innen und nach außen, an die Kirche selber und an die
öffentliche Hand.

Die Kirchengemeinden, Kirchenkreise und ihre Diakonischen Werke werden aufgefordert,

  • weiterhin die Einrichtung von Runden Tischen „Gegen Kinderarmut" zu initiieren;
  • zu prüfen, wie eine Selbstverpflichtung eingelöst werden kann, Kostenbeiträge für die Konfirmandenarbeit auszuschließen und mehr Freiplätze auf jeder Freizeit- und Erholungsmaßnahme zur Verfügung zu stellen;
  • an dem Ziel einer wohnortnahen und niedrigschwelligen Bereitstellung von Angeboten der Ehe-, Familien- und Lebensberatung festzuhalten und diese bei steigender Nachfrage mit den gesellschaftlichen und staatlichen Partnern auszubauen;
  • sich aktiv am Aufbau und der Gestaltung regionalerBildungsnetzwerke (Zusammenhang von Erziehung, Bildung und Betreuung) in den Kommunen zu beteiligen.

Die Kommunen, die Länder wie der Bund sind gemeinsam und unabhängig von den zurzeit geltenden Finanzierungszuständigkeiten gefordert, nachhaltig
die Lebenschancen armer Kinder zu fördern. Dazu dienen könnte eine
einheitliche Grundsicherung für jedes Kind, die als Budget über die
öffentliche Bildung, Erziehung und Betreuung verausgabt wird.

Unabhängig von der Ausgestaltung einer solchen Grundsicherung erwarten wir von den Kommunen

  • die Einführung der Beitragsfreiheit für den Besuch der Kindertagesstätten;
  • das kostenlose Mittagessen für alle Kinder in denKindertagesstätten und in den Ganztagsschulen;
  • die zielgerichtete Förderung von Eigeninitiative und Selbsthilfegruppen von Eltern und Familien;
  • die (Wieder-)Einführung von Sozial- oder Familienpässen, die Kindern aus armen Familien den freien oder ermäßigten Eintritt ins Schwimmbad, die öffentliche Bibliothek, ins Museum, Theater, Zoo ermöglichen.

von den Ländern

  • die Wiedereinführung der Lehrmittelfreiheit;
  • die Wiedereinführung der Förderung von Familien- und Kinderfreizeiten;
  • die Einführung der Verbindlichkeit der U-Untersuchungen (Vorsorgeuntersuchungen in den ersten Lebensjahren);
  • die Förderung des flächendeckenden Ausbaus der frühen Hilfen durch die Kommunen;
  • einen Lastenausgleich für die von der Kinderarmut besonders betroffenen Kommunen.

vom Bund

  • die Sicherung der Grundversorgung aller Kinder, zumindest durch die angemessene und altersgerechte Erhöhung der Grundsicherung;
  • die Verankerung der UN-Kinderrechte im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Mit der Synode hat die Kampagne "Lasst uns nicht hängen!" ihr offizielles Ende erreicht. Das Thema Kinderarmut wird innerhalb der westfälischen Kirche  weiterhin Berücksichtigung finden u.a. in den Themen Bildungsgerechtigkeit und dem Projekt "Mit Kindern neu anfangen"

Der gesamte Beschluss der Synode ist hier als PDF nachzulesen.

 
 
 
 
Landessynode 2009
 

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