Interreligiöses Lernen im Religionsunterricht am Berufskolleg

von Pfr. Bernhard Laß

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Religionsunterricht in NRW setzen nach wie vor den konfessionsgebundenen Religionsunterricht voraus. Doch im Unterrichtsalltag an den Berufskollegs sieht die Wirklichkeit meistens ganz anders aus. Da sitzen SchülerInnen mit unterschiedlichsten Migrationshintergründen mit SchülerInnen deutschen Ursprungs im Klassenverband zusammen und bringen eine Anzahl von unterschiedlichen Konfessionen und Religionen oder auch solche ohne Religionszugehörigkeit in den Unterricht mit.

Da ist, ohne den evangelischen Religionsunterricht aufzugeben, interreligiöses Lernen angesagt. Aber wie macht man das?

Dieser Herausforderung haben sich vom 07. – 09. Feb. 2013 fünfundzwanzig Religionslehrer und Religionslehrerinnen, die an unterschiedlichen Berufskollegs in ganz Westfalen unterrichten, gestellt. Mit einem dreitägigen Seminar startete unter der Leitung von PI-Dozent Dr. Meinfried Jetzschke ein bis Juli d.J. gehender Langzeit-Qualifizierungskurs, der den Lehrerinnen und Lehrern Ängste nehmen und zugleich ermutigen will, religiöse Heterogenität nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance wahrzunehmen.

Entlang einer vom Veranstalterteam aufgebauten Grenzlandschaft mit natürlichen und von Menschenhand gezogenen Grenzen bis hin zu vermintem Gelände konnten die TeilnehmerInnen ihre eigenen Grenzerfahrungen zwischen den unterschiedlichen Konfessionen und Religionen, die sie im Laufe ihres Lebens gemacht haben, kreativ gestalten und in die Diskussion mit einbringen.

Eigene Erfahrungen aus früheren Zeiten: „Fronleichnam wird Mist gefahren“; „Hau drauf wie auf kalt Eisen, ist ein Evangelischer“, spielten dabei ebenso eine Rolle, wie das Erleben von offenen „Grenzübergängen“ zwischen den Religionen, wie z. B. bei einem Moscheebesuch mit der Klasse die muslimischen SchülerInnen durch die Moschee führten: „Denen lag richtig etwas daran uns ihre Moschee zu zeigen. Und ich fühlte mich mit den SchülerInnen unheimlich  verbunden“, war die Erfahrung einer Lehrerin. Aber es werden auch deutliche Grenzen wahrgenommen, wenn z.B. die Religionslehrerin, eine Pfarrerin, in der Moschee mit dem Hodscha über Religion reden möchte und er unmissverständlich zu verstehen gibt, dass dies mit einer Frau (auch wenn sie Pfarrerin ist) auf gar keinen Fall geht. Oder ein muslimischer Schüler seiner Religionslehrerin deutlich macht, dass sie als Frau ihm doch wohl gar nichts zu sagen hat. Beinah versöhnlich klingt dann die Aussage eines Schülers, wenn er sagt: „Eigentlich ist das doch egal, was man glaubt und wo das herkommt, Hauptsache es tut gut.“
Aber ist alles gleich gültig und damit gleichgültig?

In dieser Gemengelage haben sich die TeilnehmerInnen aufgemacht, begehbare Übergänge auf der „grünen Grenze“ zu finden, die Möglichkeiten für einen gemeinsamen interreligiösen und interkulturellen Unterricht eröffnen und dabei den unterschiedlichen Religionen gerecht werden. Ein Leitmotiv nach Martin Buber war dabei: „Der Mensch wird am Du zum Ich“, was in dieser Tagung auch bedeutete: „Nicht übereinander reden, mindestens miteinander reden, aber am besten ist es miteinander zu leben.“

Wie das in die Vorgaben der unterschiedlichen Lehrpläne für den Religionsunterricht am BK zu übertragen ist und welche Kompetenzen die SchülerInnen im Religionsunterricht dabei erlernen sollen, konnte Prof. Dr. Clauß Peter Sajak von der Wilhelms-Universität aus Münster am Freitag einbringen. In seinem Vortrag: „Lernen im Trialog – Interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen in der Schule fördern“, zeigte er Standards für das trialogische Lernen auf und machte ihre Umsetzung an Beispielen aus der interreligiösen Projektarbeit deutlich.
Am Samstag galt es dann das bis dahin Erarbeitete für die eigene Unterrichtsgestaltung und die Einordnung in die geforderten Kompetenzen am Berufskolleg umzusetzen. In Kleingruppen, die sich unterschiedlichen Bildungsgängen zugeordnet hatten, wurden dann Unterrichtseinheiten ausgehend von konkreten Lernsituationen entworfen und dem Kompetenzraster zugeordnet.
Vielleicht wurden sie schon in dieser Woche von einzelnen ausprobiert. Im April geht es mit dem zweiten Kursabschnitt weiter, wenn es beim Besuch der osmanischen Herberge, einem Sufizentrum in der Eifel heißt: „Konvivenz erleben“.

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