Konfi-Camps – Eintrittskarten zu Glaube und Kirche

von Thomas Böhme-Lischewski

„Konfi-Camps in Finnland sind ein Teil unserer Jugendkultur.“, stellt Pia Repo aus Helsinki im Rahmen der Tagung „Konfi-Camps – Eintrittskarten zu Glaube und Kirche“, die in dieser Woche in der Katholischen Akademie Schwerte stattfand, fest.
Auf Einladung des Pädagogischen Institutes und des Amtes für Jugendarbeit referierte die Theologin, vor Jugendreferenten und Pfarrerinnen und Pfarrern. „Mit den Konfi-Camps erreichen wir jährlich rund 90.000 Jugendliche als Konfirmanden und mehr als 25.000 Jungen und Mädchen nach der Konfirmation als Mitarbeitende.“

In beiden Gruppen erfreuen sich die Camps großer Beliebtheit. „Teamer heißen bei uns ‚Isonen‘(wörtlich übersetzt ‚Großlinge‘), abgeleitet von den Worten für ‚große Schwester‘ oder ‚großer Bruder‘.“, erläutert die angehende Pfarrerin, die im Jahr 2010 eine Magisterarbeit bei Prof. Christian Grethlein in Münster zum Thema „Konfi-Camps in Finnland – eine Perspektive für Deutschland?“ abgelegt hat. Das beschreibt sehr zutreffend die Rolle der im Schnitt ein bis zwei Jahre älteren Teamer in finnischen Konfi-Camps. Sie sind wie ältere Geschwister, die die Jüngeren begleiten.

Konfi-Camps in Finnland haben eine mehr als 70jährige Tradition. Jede Gemeinde führt solche Camps durch. Die Größe der Gruppen beträgt 25 Konfirmandinnen und Konfirmanden, begleitet von zwei hauptamtlich und drei bis fünf ehrenamtlich Mitarbeitenden. „Das ist nur möglich,“ so Pia Repo, „weil in der finnischen Kirche ein Drittel der Kirchensteuern für die Jugendarbeit aufgewendet wird.“ Pfarrerinnen und Pfarrer sind zur Mitwirkung an den Konfi-Camps verpflichtet. Camps dauern im Schnitt acht Tage, nicht selten zwei bis drei Wochen. Kritisch räumt Repo allerdings ein: „Wir haben eine der modernsten Organisationsformen. Methodisch und inhaltlich entsprechen wir dem aber nur selten.“ Die Inhalte sind weitgehend am Kleinen Katechismus Martin Luthers orientiert.

Methodisch dominiert das gelenkte Unterrichtsgespräch. Trotz traditioneller Unterrichtsformen erfreuen sich Camps großer Beliebtheit. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Erfahrung von Gemeinschaft, die gerade auch durch die Mitwirkung „Isonen“ gestärkt wird. Die Erfahrung von Gemeinschaft ist nicht schmückendes Beiwerk, sondern von zentraler Bedeutung für die Vermittlung von Inhalten. „Wir werden noch genauer untersuchen, worin die Attraktivität der Camps besteht.“, erläutert Pia Repo.

Mit großem Interesse nahmen Pia Repo sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Unterschiede zu deutschen Campformen wahr. Es wurden zwei Camps aus den Kirchenkreisen Münster und Hamm sowie das Camp aus dem Kirchenkreis Gütersloh vorgestellt.

Dieter Schönfelder, Münster, zeichnete den Weg von anfänglichen Großcamps mit mehr als 600 Jugendlichen zu regionalen Camps im Kirchenkreis für rund 250 Jugendliche nach. Thomas Grieshaber und Uli Brodowski aus Hamm stellten das Camp des Kirchenkreises Hamm vor, das in enger Verbindung mit der Jugendkirche auf einem Zeltgelände im Kirchenkreis durchgeführt wird. Beide Camps gehören einem Typ an, den man zusammenfassend als „Kurz-Camp“ bezeichnen kann und ein Wochenende dauern.

Davon unterscheidet sich das Camp des Kirchenkreises Gütersloh, das sieben Tage dauert, und inhaltliche Arbeit in Gemeindegruppen und Freizeitangeboten umfasst. „Konfi-Camps in Deutschland sind deutlich größer, sind meist regional organisiert, und binden häufiger Elemente von Jugendevents ein als in Finnland.“, resümiert Pia Repo.

„In der EKvW gehören Konfi-Camps mehr und mehr zum Standard“, stellt Thomas Böhme-Lischewski vom Fachbereich Konfirmandenarbeit des Pädagogischen Institutes fest. In zwei von drei Kirchenkreisen gibt es inzwischen Camps, sei es auf gemeindlicher oder kreiskirchlicher Ebene. Die Gründe, Camps durchzuführen, sind vielfältig:

• Jugendliche sollen Gemeinschaft erleben und sollen Kontakt zur Jugendarbeit  bekommen.

• Es sollen Kooperationen zwischen Jugend- und Konfirmandenarbeit und unter Gemeinden auf- und ausgebaut werden. „In ländlich geprägten Kirchenkreisen, in denen die Zahl der Konfis pro Gemeinde sehr klein wird und in denen lange Wege zu bewältigen sind, werden Konfi-Camps zunehmend zu einer Möglichkeit, eine attraktive Konfirmandenarbeit aufrechtzuerhalten.“, so Böhme-Lischewski.


Das Programm der Tagung wurde abgerundet von der Vorstellung des Schulungsprogramms „Start-up“ durch Dietrich Nolte, Kassel, das in der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck zur Schulung von Jugendlichen nach der Konfirmation in Gemeinden durchgeführt wird und eine Brücke zur Juleica-Schulung schlägt.

„Das entspricht,“ so Udo Bußmann, Landesjugendpfarrer der EKvW, „unserem Konzept ‚eq – evangelisch und qualifiziert‘.“ Claus Reihs, Pfarrer aus Bad Wünnenberg, stellte Methoden zur Begleitung eines Teams und zur Bearbeitung von Konflikten vor.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen ermutigt aus der Tagung, die bestehende Camp-Arbeit weiterzuentwickeln bzw. ein Konfi-Camp in naher Zukunft selber durchzuführen. Neben konzeptionellen Anregungen wurde insbesondere die Zusammenarbeit von Jugendmitarbeiterinnen und –mitarbeitern und Pfarrerinnen und Pfarrern im Rahmen der Tagung positiv hervorgehoben. „Es war eine große Bereicherung, sich in dieser gemischten Gruppe gegenseitig zu ergänzen.“, hielt ein Teilnehmer abschließend fest.

„Wir werden,“ so Thomas Böhme-Lischewski, „von Seiten des Amtes für Jugendarbeit und des Fachbereiches Konfirmandenarbeit den Aufbau und die Entwicklung von Konfi-Camps sowie die Kooperation der Berufsgruppen weiter unterstützen.“ Dies geschieht durch konzeptionelle Beratung wie durch Unterstützung bei der Qualifizierung von Teamern.

Die Kooperation beider Bereiche wird im Herbst mit einer Tagung zur Konfirmanden- und Jugendarbeit in der Tagungsstätte Nordwalde fortgesetzt. Dort soll es am Samstag, dem 21.09.2013, um die im Auftrag des Amtes für Jugendarbeit durchgeführte Studie zur Spiritualität von Jugendlichen und deren praktischen Konsequenzen für die Konfirmanden- und Jugendarbeit gehen.

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Konfi-Camps Eintrittskarte zum Glauben
 

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