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1700 Jahre Judentum in Deutschland

1700 Jahre Judentum in Deutschland – was sollen Schüler*innen darüber lernen? Im Rahmen des Festjahres 321-2021 fand eine gemeinsame Lehrer*innen-Fortbildung des PI und der Gesellschaft für Evangelische Erziehung und Bildung in der Synagoge Gelsenkirchen statt.

Das Festjahr 1700 Jahre Judentum in Deutschland beeindruckt mit seiner Vielzahl an Projekten, gleichzeitig erleben wir eine erschreckende Zunahme des Antisemitismus: So ereignete sich vor der Synagoge in Gelsenkirchen im Mai ein judenfeindlicher Aufmarsch, der Entsetzen und Verunsicherung hinterlassen hat.

Es zeigt, wie wichtig es ist, dass sich Schüler*innen mit dem Judentum beschäftigen und dass sie mit Jüdinnen und Juden ins Gespräch kommen. In den Schulen soll daran erinnert werden, was wir nicht vergessen dürfen, und ein Zusammenleben in Respekt und Soldarität angebahnt werden.

Die frühere NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann begrüßte die Teilnehmer*innen als Generalsekretärin des Vereins „321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“. Das Festjahr umfasst über 1800 Veranstaltungen, was bei der Vereinsgründung noch nicht abzusehen war. Jüdinnen und Juden wollen als Lebende und nicht nur als Überlebende wahrgenommen werden: Das zu ermöglichen, ist ein zentrales Ziel des Vereins, so Löhrmann.

Fast 40 Religionslehrer*innen waren der Einladung des Vorbereitungsteams um Gerda Koch, Holm Schüler, Ursula August und Marco Sorg gefolgt.

Gastgeberin waren die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen und deren Vorsitzende Judith Tasbach-Neuwald.

In den Eröffnungsvorträgen am Vormittag brachte Rabbiner Avraham Yitzchack Radbil aus Konstanz die jüdische Perspektive ein. Er berichtete aus seinen eigenen Erfahrungen mit Antisemitismus in der Schule und im Studium. Er forderte dazu auf, Schülern und Schülerinnen Begegnungen mit dem gelebten Judentum in Deutschland zu ermöglichen.

Das hatte auch die Tagung selbst zum Ziel: durch Begegnungen mit verschiedenen jüdischen Gesprächspartner*innen, durch das koschere Mittagessen und den Gang durch das Haus und die Synagoge.

Siegfried Virgils, Dialogbeauftragter für den jüdisch-christlichen Dialog in Köln, beschrieb aus christlicher Perspektive, was es heißt, Jüdinnen und Juden auf Augenhöhe begegnen zu können. Er ging dabei auf den Antisemitismus in der christlichen Theologie, Religionspädagogik und Kirchengeschichte ein, der nicht zuletzt eine unmittelbare Linie bis zum Holocaust aufzeige – und den die Kirche „im Gepäck trage“.

In Workshops erhielten die Teilnehmenden Anregungen dazu, wie die Plakataktion zum Festjahr #beziehungsweise im Unterricht eingesetzt werden kann; worauf es bei einem Judentum-sensiblen christlichen Religionsunterricht ankommt. Junge Frauen und Männer stellten das Projekt „Meet a Jew“ des Zentralrates der Juden vor.

Judith Tasbach-Neuwald, deren Vater nach 1945 wieder nach Gelsenkirchen zurückkehrte und die jüdische Gemeinde erneut aufbaute, erzählte in engagierter Form über das heutige Leben der Gemeinde, deren Gruppen, Gottesdienste, Veranstaltungen, Feste, Vernetzungen und Zusammenarbeit mit Schulen. Auch sie stellte die bittere Frage: Warum hört der Antisemitismus, warum hören die Übergriffe auf uns nicht auf? Warum müssen wir immer wieder in Angst und Sorge leben?

Mit dieser Tagung wurde zugleich das nun jährlich stattfindende Forum für christlich-jüdische Lehrer*innenfortbildung am Pädagogischen Institut in Villigst begründet, zu dem dessen Leiter, Thomas Schlüter, für das kommende Jahr einlud.

Ursula August und Marco Sorg

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