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Demokratie – Bildung – Religion(sunterricht)

Neues ru-intern-Heft erschienen

Gehört das nicht in den Politikunterricht? – Mitnichten: Demokratie braucht Religion. – Besonders im RU können Schüler*innen grundlegende Kompetenzen für ein gutes Miteinander, für Kompromisse und Mitverantwortung lernen, Grundvoraussetzungen für eine Demokratie. Und ist die presbyterial-synodale Kirchenverfasstheit nicht auch demokratisches Lernfeld? ru intern stellt einige Ideen dazu konkret vor.

Druckfrisch mit einem Grußwort von Präses Adelheid Ruck-Schröder

Den Himmel offenhalten!

„Und? Was habt ihr heute in Reli gemacht?“ Das fragt im Cartoon* gelangweilt die Mutter ihren Sohn. Es ist ihr anzusehen: sie will es eigentlich gar nicht wissen. Ihr munterer Filius aber schmettert ihr freudig die Antwort entgegen: 

„Den Himmel offengehalten!“

Was um Himmels Willen, hat „den Himmel offenhalten“ mit Demokratie, dem Thema dieser Ausgabe, zu tun? Viel! Religion rechnet mit dem Unberechenbaren. Sie weiß vom Unverfügbaren. Genau darin liegt ihr Potenzial, demokratische Bildung zu fördern. Wer sich für Transzendenz öffnet, lernt, sich selbst nicht zum Maß aller Dinge zu machen. Er erkennt: Es gibt mehr als mich, mehr als meine Meinung. Dieses Bewusstsein schafft Raum für Dialog. Religion im gesellschaftlichen Raum schützt vor Selbstverabsolutierung. Das ist aber kein Selbstläufer. Demokratie braucht Bildung. Religiöse Bildung stärkt junge Menschen in der Entfaltung ihrer Identität. 

„Den Himmel offenhalten“: das schenkt einen Hoffnungsüberschuss. Gegenwärtig sind junge Menschen so unglücklich wie nie zuvor. Das haben Studien erhoben. Zu viele unter ihnen sind einsam, sehen ängstlich in die Zukunft oder fühlen sich unter Druck. Das ist beklemmend. Das ist auch demokratiegefährdend. Demokratie braucht Menschen, die in die Zukunft vertrauen. Angst macht eng. Sie macht anfällig für Autoritäres. Die Zukunft wird aber nicht in den Händen der Populisten und Fundamentalisten liegen. Dazu trägt das Fach Religion bei. Es lehrt, dass Glaube, Reflexion und Mündigkeit zusammengehören. Religionslehrer*innen sind Meister der Komplexitäts-bewältigung. Täglich bringen sie zusammen, was nicht leicht zusammenzu-bringen ist: Inhomogene Lerngruppen, Sinnsuche und Aggressivität, Glaube und Naturwissenschaft, Traditionsabbruch und Lehrplan, Schulseelsorge und Strittigkeit ihres Fachs. Religionslehrerinnen und -lehrer stellen sich täglich der anspruchsvollen Aufgabe, zu vermitteln zwischen höchst pluralen Denk-, Lebens- und Glaubenswelten. Und in alledem ermutigen sie Schülerinnen und Schüler zu einem respektvollen Umgang untereinander. 

Der evangelische Religionsunterricht ist, soweit ich es sehe, der einzige Ort im Bereich schulischer Bildung, an dem religiöse Pluralitätserfahrung thematisiert und für Plurali-tätsfreundlichkeit in Sachen Religion gesorgt wird. Darin stärkt er das Gemeinwohl. Er schärft den Blick für die Gottebenbildlichkeit aller Menschen. Dieses Menschenbild ist ihr Mehrwert gegenüber bloßer Wertevermittlung. Der Religionsunterricht ermöglicht Kindern und Jugendlichen die Begegnung mit Menschen, für die Glauben eine Dimension ihres Lebens ist. Er bietet ihnen an, zu lernen, was Segen und Beten bedeutet, ohne sie dabei zu vereinnahmen. 

Asterix fürchtet, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Ich fürchte, dass uns Heutigen der Himmel aus dem Kopf fällt. Darum danke ich Ihnen von Herzen für ihr Himmel-offen-Halten. Für Ihre Kreativität. Für Ihre Leidenschaft. Sie prägen Biografien, oft ohne es zu merken. Sie geben Halt, wo Unsicherheit wächst. Danke. 
Bleiben Sie dran! 

Adelheid Ruck-Schröder
ist Präses der Evangelischen Kirche von 
Westfalen.

(*) Anmerkung der Redaktion: Cartoon siehe Heft auf S. 3

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Datum: 03.11.2025