Digitale Medien prägen den Alltag von Schüler*innen und damit auch ihre Zugänge zu den Themen des Religionsunterrichts. Denken, Fühlen und Lernen sind eng mit den Dynamiken der Kultur der Digitalität verbunden. Zugleich treten neue Themen und Problemfelder wie Künstliche Intelligenz, informelle religiöse Bildung im Netz oder fundamentalistische Influencer*innen in sozialen Medien hinzu – und es eröffnen sich neue Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung.
Bei der Jahrestagung Evangelische Religionslehre Sekundarstufe I und II 2026 setzten sich knapp 50 Religionslehrer*innen mit den Herausforderungen und Chancen auseinander, die sich für den Religionsunterricht in einer digitalisierten Welt ergeben. Neben fachlichen Impulsen standen praxisorientierte Formate und der kollegiale Austausch im Mittelpunkt.
Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Jens Palkowitsch-Kühl (RPZ Heilsbronn / Universität Würzburg). In seinem Beitrag machte er deutlich, dass Digitalität nicht nur als Sammlung von Werkzeugen zu verstehen ist, sondern Kommunikationsformen, Lernkultur und religiöse Ausdrucksweisen verändert.
Am Nachmittag wurde es praktisch. In einem breiten Spektrum von Workshopangeboten traf Erkundung auf Erprobung. Thematisiert wurden u. a. Gamification im Religionsunterricht, Menschen- und Gottesbilder im Horizont digitaler Entwicklungen, ein Spiel zum Verhältnis von KI und Mensch sowie KI als Tool und Thema im Religionsunterricht (Chancen, Grenzen, ethische Fragen).
Zum Abschluss des ersten Tages lud LRSD’ Janine Bartsch (Fachdezernentin Religionslehren, Bezirksregierung Arnsberg) die Teilnehmenden zu einem Kamingespräch ein. In offener Runde wurden Fragen und Erfahrungen aus dem schulischen Alltag sowie aktuelle Entwicklungen rund um Religionsunterricht und Schule diskutiert.
Der zweite Tag widmete sich dem Phänomen religiöser Kommunikation in den sozialen Netzwerken. Denn religiöse Inhalte tauchen nicht nur im Religionsunterricht auf – sie tauchen auch im Feed auf.
Dabei werden Instagram und TikTok zu Orten informeller religiöser Bildung, an denen jedoch vermehrt auch fundamentalistisch geprägte Stimmen mit vermeintlich klaren Antworten anzutreffen sind.
Gemeinsam mit Nico Buschmann wurde dieses Phänomen schulnah beleuchtet: Wie reagieren, wenn Jugendliche solche Positionen in den Unterricht tragen? Wie Debatten so führen, dass sie auf Augenhöhe bleiben, Perspektiven ernst nehmen und trotzdem Widerspruchsfähigkeit fördern? Besonders erhellend war der Blick auf Argumentationsmuster: Wie wird „Eindeutigkeit“ rhetorisch erzeugt – und wie kann theologisch wie pädagogisch darauf geantwortet werden?
Dabei referierte Nico Buschmann nicht aus der Distanz, sondern sprach aus der eigenen Praxis: Als Pfarrer und „Sinnfluencer“ im EKD-Netzwerk „Yeet“ erreicht er als @einschpunk viele Menschen mit niedrigschwelligen theologischen Inhalten und setzt sich für einen aufgeklärten Glauben im 21. Jahrhundert und dem Dialog mit fundamentalistischen Positionen ein.
Nach vielfältigen und spannenden Impulsen, einem wertvollen kollegialen Austausch und einem konstruktiven und bereichernden Miteinander im Rahmen der Jahrestagung Evangelische Religionslehre in der Sekundarstufen I und II 2026, dürfen sich alle interessierten Kolleg*innen schon jetzt auf die Jahrestagung 2027 zum Thema „Christlich-jüdischer Dialog und Religionsunterricht heute“ freuen (18. bis 19.02.2027).
Eine Anmeldung ist ab sofort möglich:
⇒ Information und Anmeldung