Im Rahmen einer Fortbildung besuchten Lehrkräfte die interaktive Präsentation HOLO VOICES. Gemeinsam mit der Referentin Eva Majbour hatte Marco Sorg einen Tag auf Zeche Zollverein in Essen organisiert, bei dem in verschiedene Formen von Holocaust-Erinnerungskultur eingeführt wurde.
Zunächst gab es einen interaktiven Workshop zur Arbeit des Vereins Zweitzeugen, in dem Eva Majbour als Bildungsreferentin arbeitet. In dessen Arbeit mit Schüler*innen und Pädagog*innen werden insbesondere junge Menschen dazu befähigt, sich mit (Über)Lebensgeschichten von Zeitzeug*innen des Holocaust vertraut zu machen und diese weiter zu vermitteln.
Danach wurde die Gruppe durch die Ausstellung „Unter Tage. Unter Zwang. Zur NS-Zwangsarbeit im Ruhrbergbau“ geführt. Neben allgemeinen Informationen waren auch dort die Einzelschicksale besonders eindrücklich. So wurde der Lebensweg von Rolf Abrahamsohn beschrieben, der 1925 in Marl geboren wurde und von 1938 bis 1941 Zwangsarbeit leisten musste. Von 1943 bis 1945 wurde er in verschiedene Konzentrationslager deportiert und in Theresienstadt durch die sowjetische Armee befreit. Seine Eltern und seine drei Brüder sind während des Holocaust ermordet worden oder kamen durch Krankheiten um. Rolf Abrahamsohn kehrte nach Marl zurück, gründete eine Familie, wurde Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Recklinghausen. 1995 begann er, seine Lebensgeschichte öffentlich zu erzählen.
In der Ausstellung zu den HOLO VOICES konnten weitere Überlebensgeschichten nachvollzogen werden. Höhepunkt war ein KI-gestütztes Gespräch mit dem Hologramm von Inge Auerbacher, das auf die Fragen der Teilnehmer*innen antwortete. Die Antworten basieren auf Interviews mit mehreren Hundert Fragen, die mit ihr geführt wurden. Auch sie wurde aus dem KZ Theresienstadt befreit und emigrierte mit ihrer Familie nach New York. 2022 sprach sie im Deutschen Bundestag und appellierte dafür, den Antisemitismus zu bekämpfen.
In der Einführung zum Fortbildungstag berichtete Marco Sorg, dass wenige Tage zuvor eine Buchungsanfrage aus Israel von einem bayrischen Hotel folgendermaßen beantwortet wurde: „Sorry, there are no Jews allowed in our hotel.“ Trotz der späteren Entschuldigung des Hotels, „bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde“, so der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.
Insbesondere seit dem 7.10.2023 gibt es eine erschütternde Zunahme antisemitischer Vorfälle in Deutschland. In der Auswertung der einzelnen Elemente des Fortbildungstages wurde deutlich, wie wichtig es ist, die Überzeugung „Nie wieder ist jetzt“ mit ganzheitlichen, biographisch orientierten Methoden der Erinnerungskultur umzusetzen – und damit eine antisemitismuskritische und judentumssensible Haltung zu fördern.
Die Ausstellung ist weiterhin geöffnet und kann kostenfrei besucht werden – nach Anmeldung auch mit Schulklassen.