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Jesus im Lehrplan des Islamischen RU's

Jesus kommt im Lehrplan für den Islamischen Religionsunterrichtes, Muhammed im evangelischen Curriculum vor, z. B. beim Vergleich der „Religionsstifter“, zum Thema „Propheten“ oder in der Ethik. Aber geht das so einfach, fragten Birgül Bayram (VmL) und Ursula August (PI), die Moderatorinnen im dritten Modul des Qualifikationskurses „Interreligiöses Lernen und Lehren in der Schule“.

Müssen nicht vielmehr der geoffenbarte Koran und Jesus miteinander verglichen werden? Sind beide, Muhammed und Jesus von Nazareth überhaupt als Religionsstifter zu verstehen? Wer ist Jesus für die Christ*innen, wer für Muslim*innen? Wer ist Muhammed, bei dessen Namensnennung Muslime jeweils „Friede sei mit ihm“, aussprechen? Gibt es einen Bezug des Christentums zu ihm?

Auch an diesem Modul nahmen wieder theologisch und religionspädagogisch Lehrende teil:

Martin Leutzsch, Professor für Biblische Theologie an der Universität Paderborn, dessen Forschungsschwerpunkt u. a. „Jesusvorstellungen der Neuzeit“ ist. Er führte zunächst in Fragen der Texthermeneutik ein, um anschließend auf die Quellen für den historischen Jesus einzugehen. Der Blick auf die Evangelien, auch auf die frühe Briefliteratur, mache bereits die Heterogenität der christlichen Bibel in ihren Aussagen über Jesus deutlich. Hier müsse das Augenmerk auch auf  den „verkündigten Jesus“ gelegt werden. Trotz der Unterschiede würden aber folgende Aussagen übereinstimmend Erwähnung finden: die Berichte über den Tod am Kreuz und die Auferstehung, die Nennung der „Sohnschaft“ und der Israelbezug Jesu.

An dieser Stelle bestand für die muslimischen Lehrer*innen die größte Herausforderung. Sie fragten und diskutierten: „Meint 'Sohnschaft' Beigesellung einer weiteren Gottheit“? Kann ein Prophet (der Koran kennt Isa als Propheten) einen derartigen Tod erleiden? Die christlichen Religionslehrer*innen waren in ihrem Verständnis zur Christologie herausgefordert.

Bernd Ridwan Bauknecht, Lehrer für islamischen Religionsunterricht mit Schwerpunkt auf Koranexegese und Korandidaktik in Bonn,ging zunächst auf die Koranhermeneutik und dann auf die Quellentexte zum Propheten Muhammed ein (u. a. Ibn-Ishaq und At-Tabari, Ibn-Sa’d) . Er verband diese mit den historischen Stationen seines Lebens. Er beschrieb Muhammed als Mensch und Propheten, Gesandten, Lehrer seiner Zeit und für die Menschen. Für ihn persönlich als einen, der die Barmherzigkeit Gottes, seine Liebe zu den Menschen, auch die Gerechtigkeit unter den Menschen verkündet habe. In seinem Beitrag ging er auch auf die Verbindung der Muslime zu den anderen „Buchreligionen“ (Judentum und Christentum) ein sowie auf die Textstellen im Koran, die von Isa und Maria berichten. Im Verständnis des Islam stehe Jesus (Isa) an sehr exponierter Stelle der Propheten.

Die christlichen Teilnehmenden fragten und diskutierten an dieser Stelle über „Muhammed als Siegel“ der Propheten, die Beziehung des Christentums zu einer nachfolgenden Religion, auch das Verständnis von „Offenbarung“.

Im Kurs blieb es spannend beim intensiven Austausch über das Bild der Maria, bei Überlegungen, inwieweit es auf der arabischen Halbinsel zur Zeit  Muhammeds theologische Begegnungen zwischen ihm, Juden und Christen gegeben habe, welche „Ethik“ aus „Lehre und Leben“ Jesu und Muhammeds folge. Beide Referenten verwiesen auf Mohammed-Biographien im Christentum und Jesus-Biographien im Islam, die nicht selten auch verzerrende und verletzende Darstellungen enthielten, in jüngerer Zeit  immer wieder auch den Versuch einer Würdigung. 

Auch in diesem Modul stand die Entwicklung von Bausteinen für das interreligiöse Lernen auf dem Programm. Diese knüpften u. a. an die Geschichte vom „Barmherzigen Samariter“ an. In den Blick kamen auch Geschichten von Zeitzeug*innen, die in den „Spuren Jesu bzw. Muhammeds gehen“, sowie Filme, Bilddarstellungen und Miniaturmalereien.  

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Datum: 05.10.2019