Eine Idee muss Wirklichkeit werden können,
sonst ist sie eine eitle Seifenblase.

Multireligiöse Schulfeiern – entlang der Jahresfestkreise – geht das?

Multireligiöse Schulfeiern zur Einschulung und zur Verabschiedung aus der Schule haben bereits eine lange Tradition. Das gilt auch für „Feiern mit religiösen Elementen“ anlässlich eines Schuljubiläums oder bei Gedenkfeiern im Todesfall. Was aber ist mit den Festen der Religionen im Jahreskreis? Die christlichen Kinder sind eingeladen zu Schulgottesdiensten. Was aber ist mit den anderen Schüler*innen der Schulgemeinschaft? Im Schulalltag sind die herausragenden Feste verschiedener Religionen präsent.

Wie könnte eine Teilhabe an den Jahreskreisfesten der jeweiligen Religionen an der Schule überhaupt aussehen?  Können diese Feste, die Ureigenstes der jeweiligen Religion beinhalten, überhaupt „gemeinsam“ begangen werden?

Dozentin Ursula August (PI) ging diesen Fragen gemeinsam mit Schulreferentin Petra Sinemus bei einem überregionalen Angebot im Schulreferat Recklinghausen  nach.

Sie stellte zunächst  Grundmodelle  „gemeinsamen Feierns“ vor: Das Gastgebermodell und das Teammodell (multireligiöses und interreligiöses gemeinsames Beten) . Im Gastgebermodell (verantwortet durch die  jeweiligen Religionsgemeinschaften ) werden die Schüler*innen z.B. zum Weihnachtsschulgottesdienst oder zur Ramadanfeier oder zum Laubhüttenfest in die jeweiligen Gotteshäuser eingeladen (freiwillige Teilnahme). Die Eingeladenen bringen ihrerseits aus ihrer Tradition „Gastgeschenke“  und Gratulationen mit. Die Gastgebenden überlegen, wie sie die Gäste willkommen heißen und sichtbar werden lassen, ob es z.B. Beteiligungsmöglichkeiten bei Mitmach-Aktionen gibt.

Im schulischen Raum könnten die Jahreskreisfeste z.B. auch in einer „Corner of Religions“ (Im Eingangsraum der Schule oder Aula)  dargestellt und präsentiert werden. Mehrere  Festkalender der Religionen wurden vorgestellt.  Die verschiedenen Religionsunterrichte  könnten  einen Festkalender der Religionen  in einem gemeinsamen Projekt herstellen. Oder aber : die Schulgemeinschaft wird zu einem Ramadanbrunch oder Adventsfrühstück eingeladen und die Schüler*innen/Eltern/Vertreter aus den jeweiligen Religionen stellen „ihr“ Fest vor. 

Die zweite  Möglichkeit wären thematische multireligiösen Schulfeiern / oder schulische Feiern mit religiösen Elementen (an einem neutralen Ort im Raum der Schule) z.B. zu den Themen: Frieden, Dank für die Gaben der Schöpfung, Trauer, Befreiung, Umkehr – Neuanfang, Licht in die die verschiedenen Religionen, aus ihrer religiösen Festtraditionen etwas mitbringen, bzw. erinnern können. An deren Gestaltung könnten auch  konfessionslose Schüler*innen mitwirken.

Ursula August plädierte  für Feiern, die aus der Schulgemeinschaft erwachsen und das Vertrauen aller beteiligten Gruppen voraussetzen. Es bedarf langfristiger und sorgfältiger Vorbereitung, die eine Information der Elternhäuser über das Vorhaben mit einschließt. Auf die religiösen Gefühle oder Überzeugungen der Anderen wird behutsam geachtet. Es wird darauf gesehen, dass keine Gruppe der Teilnehmenden vereinnahmt oder liturgisch zu Handlungen oder Worten veranlasst wird, die sie nicht nachvollziehen kann.

 

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Datum: 07.10.2020