Neuanfang

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 

Jedes Jahr nach den Ferien – Neuanfang

  • für die einen: neues Spiel, neues Glück
  • für den anderen: aufraffen zu einer neuen Runde
  • für die eine: etwas ganz Neues beginnen
  • für den anderen: sich auf eine neue Situation einstellen

„Neuanfang“ ist auch ein Song von Clueso und der Titel seines Albums von 2016, nachdem er sich 2015 von seiner Band und seinem Management getrennt hatte.
Beim Start des Albums wurde Clueso von einem Reporter (der Herman Hesse gelesen hatte – Sie erinnern sich an das Gedicht „Stufen“ – „... und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“?) gefragt, was denn für ihn der „Zauber“ des Neuanfangs sei und er antwortete:

„Das Entdecken. Das Entdecken geht wieder los und auch die Unsicherheit.“ 


Gefühle, die ich kenne, bei jedem Neuanfang den ich gemacht habe. Gefühle, die uns jedes Jahr beim Start in das neue Schuljahr begleiten:

  • Wie wird das neue Schuljahr werden? Was wird neu? Schüler*innen, Kolleg*innen, Unterrichtsreihen, Projekte? Unterricht Digital oder in Präsenz, Konfessionelle Kooperation, Förderschulen bleiben doch, Inklusion aber auch...
  • Ist das, was ich neu oder wieder entdecken kann, gut oder eher verunsichernd?
  • Was wird, wenn ich’s nicht packe, die Schüler*innen zu herausfordernd sind oder wenn der alte Trott sich zu schnell wieder einschleicht?

Der Zauber des Neuanfangs – wie lange hält er durch im Schulalltag? In der zweiten Schulwoche schon wieder verflogen? Ich hoffe nicht. 
 

Clueso singt vom Geheimnis des Neuanfangs so: „Du kannst den Wind nicht ändern, nur die Segel dreh‘n...“. Also, sich nicht dem Wind entgegenstellen und sich an ihm abarbeiten, sondern das tun, was man selbst tun kann: Segel dreh‘n und so wieder Rückenwind bekommen.

Neuanfang – jedes Jahr nach den Ferien
 

Neuanfänge ziehen sich durch unser Leben. Überlegen Sie einmal, wie oft Sie schon neu angefangen haben? Neu im Kindergarten, in der Grundschule, in der weiterführenden Schule, neu in der Stadt, neu in einem Land, neue Uni, neue Ausbildung, neuer Start als Bufdi, neue Arbeitsstelle, neue Situation im Leben, in der Familie. Neuanfänge gehören einfach zum Leben dazu.

Und immer sind diese Neuanfänge begleitet von diesen beiden Gefühlen: Neugier und Unsicherheit. „Vor, zurück, zur Seite, ran“, so singt Clueso – tastende Bewegungen in einer neue Umgebung, denn jeder Neuanfang, jeder Aufbruch ist auch mit einem Bruch in unserem Leben verbunden. Das was war, wird nicht mehr so sein und der Schritt nach vorn braucht Mut „... und nen klaren Kopf“.

Neuanfang – auch immer wieder ein Thema in der Bibel – klar auch dort geht es um Lebensgeschichten von Menschen.  Den Text von dem, wie ich finde – zumindest aus der Sicht des Religionsunterrichts – berühmtesten Neuanfang steht im Buch Genesis. Lieblingsgeschichte für Einschulungsgottesdienste, Thema im Kindergarten, Kindergottesdienst, Grundschule und Sek I.
Was fasziniert uns so an dieser Geschichte? Vielleicht, dass da zwei sind – Abraham und Sara – die allein auf Gottes Wort hin einen Neuanfang wagen – kein Blick zurück nur nach vorn.

Neuanfang – auch bei Noah: neues Leben nach der Sintflut; Josef gibt seinen Brüdern eine neue Chance und ermöglicht ihnen so einen Neuanfang in Ägypten; das Volk Israel startet einen Neuanfang im verheißenen Land; Ruth wagt mit ihrer Schwiegermutter einen Neuanfang in einem für sie fremden Land; die Propheten rufen zum Neuanfang, zur Veränderung auf und in den Geschichten des Neuen Testaments wird erzählt, dass Jesus den Menschen immer wieder die Aussicht auf einen Neuanfang eröffnet und wer mit ihm gehen wollte, der musste ganz neu anfangen.


Die Neuanfänge von denen die biblischen Geschichten erzählen sind existentielle Erschütterungen, die aber zu bewältigen sind im Vertrauen auf Gott. Denn auch wenn alles neu und anders wird, Gott bleibt der er ist – er spricht: ich bin, der ich bin und werde sein, der ich sein werde.


Abraham erfährt: Gott hält sein Versprechen. Das Volk Israel erfährt: Wir müssen zwar Wüstenzeiten erleben, aber Gott begleitet und führt uns. Die Propheten erfahren: Unser Leben verändert sich zwar radikal und die Menschen lieben uns nicht unbedingt für das, was wir sagen, aber Gott lässt uns nicht im Stich. Die Jüngerinnen und Jünger erfahren: Auch wenn wir unser ganzes Leben umkrempeln mussten, mit Jesus zu gehen lässt uns ein Stück Himmel auf Erden erleben. Und selbst nach der radikalsten Erfahrung – dem Tod – gibt es die Hoffnung auf einen neuen Anfang. 
Gott verspricht nicht, dass alles so bleibt wie es ist. Er ruft uns zum Aufbruch und zur Veränderung. Aber er verspricht, dass er so bleibt wie er ist und uns bei unserem Neuanfang begleitet.

Und in diesem Vertrauen, in diesem Glauben können wir immer wieder neu anfangen – in der Schule, im Beruf, im Leben.
In diesem Sinne:

Herzlich willkommen! Neuanfang.
 

Sabine Grünschläger-Brenneke

Dozentin, Pfarrerin

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